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Die
Slumkinder in ihrem Kindergarten nennen sie alle Miss Lehrerin
“Froggy”, Kru Kee-it. Zu Beginn jedes Schuljahres versucht sie
immer wieder, dass die Kinder sie mit ihrem Titel und Vornamen
anreden, drei wunderschöne Silben in Thai. Doch ihr Name liegt
einfach jedem auf der Zunge und die Kinder vergessen. So ist sie
eben Miss Lehrerin „Froggy“. Kru
Kee-it. "Kru" heißt Lehrer in
Thai und "Kee-it" ist das Wort für den winzigen Frosch, der so viel
Lärm macht. Schon als sie selbst noch ein kleines Kind war, rief
ihre Mutter sie immer „Froggy“, Fröschchen. Und jetzt machen die
Kinder dasselbe. Ein merkwürdiger Name für eine Heldin. Und das ist
sie tatsächlich.
Miss
Lehrerin Froggy ist eine von unseren wahren Helden im Slum Klong
Toey. Sie wuchs in jenem Teil des Elendsviertels auf, der
"Schlachthaus" genannt wird. Dort, entlang dem stinkenden
Prakanong-Kanal, haben sie früher das Rindvieh und die Wasserbüffel
geschlachtet. Froggy hat so geschielt, dass sie wohl einen steifen
Hals bekam, wenn sie versuchte, etwas zu betrachten oder gar zu
lesen. In der Schule hatte sie es schwer. Sie war Einzelkind, doch
ihre Eltern hatten nicht das Geld für eine Augenoperation. Als sie
acht Jahre alt war, das Mindestalter für diese Operation, hat es
ein großzügiger Arzt aus den Wohnvierteln an der
Ratchataewee-Strasse kostenlos gemacht. Er hat sogar den
Busfahrschein für ihre Mutter vom Schlachthaus und zurück bezahlt,
außerdem die Mahlzeiten. So konnte die Mutter die zwei Tage, die
ihre Tochter Froggy eine Augenklappe trug, bei ihr
bleiben.
Die
Operation hat sich ausgezahlt. Heute sieht die Lehrerin "geradeaus"
mit einer Sehkraft von 20-20. Sie braucht nicht einmal eine Brille.
Niemand erinnert sich mehr, dass sie einmal die schielende Froggy
war. Und jetzt ist sie eine Heldin. Ich meine nicht, dass sie eine
Art Rambo im Rock ist. Sie ist hübsch und gerstenschlank. Ihre
Augen tanzen und für ihre Kinder ist sie Wendy und Tinker Bell plus
Kanga und Pooh und Tigger, vermischt mit etwas Hermine aus Harry
Potter. Nie hat sie Designer-Jeans getragen und Mami kaufte ihr ihr
erstes Paar Schuhe an dem Tag, als sie losheulte, wie wir das alle
getan haben, an ihrem ersten Schultag. Mit anderen Worten, sie ist
eine von den Typen. Aus der Nachbarschaft.
Allerdings, einmal
war sie ein Rambo-Mädchen. Diesen Monat ist es ein Jahr her. Als
die Angst vor Meningokokken-Meningitis beim Schlachthaus umging.
Strapazierfähige, betriebsmäßige Wörter für eine schlimme
Krankheit, die Gehirn und Wirbelsäule befällt. Sie kann dich
umbringen. Drei Kinder im Slum erkrankten und es gab viele blutende
Stellen. Fünfjährige sahen in ihren Verbänden wie Kriegsopfer aus.
Der Jüngste aus Miss Froggys Klasse war mehr als einen Monat im
Krankenhaus. Zwei Monate später wechselte seine Mami immer noch
täglich die Verbände. Es kann
mit Ratten-Urin im Wasser, im Müll seinen Anfang nehmen. Zwei
Fünfjährige kamen aus Häusern an verschiedenen Enden des
Schlachthofes. So war klar, dass der Auslöser nicht auf ein Gebiet
beschränkt war. Die Leute vom Gesundheitsministerium nahmen 40
Proben an Auswurf und testeten sieben weitere Kinder positiv. Die
waren jedoch frei von Symptomen. Die Gesundheitsbeamten besuchten
unseren Kindergarten und spazierten das ganze Elendsviertel entlang
in Gesichtsmasken und weißen Krankenhaus-Kitteln. Es war nicht ganz
so angsteinflößend wie in den Ebola-Filmen, aber
fast.
Das Virus fand sich
in stehendem Gewässer. Möglicherweise auch in einigen Häusern der
Kinder. Viele Toiletten und Badestellen hatten kein Licht, waren
dunkel und unangenehm feucht. Fräulein Lehrerin Froggy stand an der
Spitze der Brigade. Sie ging von Haus zu Haus und sagte es allen:
Nachbarn, Freunden, den Menschen, die sie schon als Kind gekannt
hatte.
Sie war überall,
organisierte die gesamte Nachbarschaft. Bis zu den Knien stand sie
in den gefährlichsten Müllhalden und räumte Abfall weg. Sechs
riesige, übel riechende Lastwagenladungen in zwei Tagen. Jeder half
mit. Mehr als 400 von uns. Wir alle schluckten das Gegenmittel und
niemand wurde krank. Wir legten rund 100 Bäder trocken. Der Slum
war nun ein sauberer Ort. Die Gesundheitsleute meinten, sie hätten
noch nie eine Gemeinschaft so an einem Strang ziehen
sehen. Schließlich starb die Angst. Den kranken
Kindern ging es besser. Als die Schule wieder begann, kehrte auch
Miss Lehrerin Froggy wieder in ihren Klassenraum in der Holzbaracke
zurück. Jetzt war sie eine Heldin im Alltag. Vielleicht die
wichtigste. Stets da, wenn Kinder sich fürchten. Einige rennen
nachts zu ihrem Haus, wenn sie aufwachen - alleine, ängstlich,
weinend - wenn ihre Mamis bei der Arbeit
sind.
Sie stehen vor ihrer
Tür und weinen und sie lässt sie herein, damit sie mit ihrem alten
Teddybär schlafen, bis ihre Mütter bei Tagesanbruch nach Hause
zurückkommen. Wenn sie wirklich Angst haben, was oft der Fall ist,
dann packt sie die Kleinen in eine Decke, kuschelig und warm, und
hält sie fest, bis sie wieder Schlaf
finden. Im Unterricht ist sie
streng. In der Klasse herrscht Ordnung. Da gibt es was auf die
Finger. Wenn man das zweite Jahr von Miss Lehrerin Froggys
Kindergartenklasse beendet hat, ist das so, wie einen Orden
verliehen zu bekommen. Sie möchte, dass die Kinder in der Schule
bleiben. Und einige bleiben auch, so dass sie vielleicht nicht das
tun müssen, was ihre Mamis tun, um für Lebensmittel und Unterkunft
und die Schuluniform zu zahlen. Wie Du
siehst, sind diese Kinder ein leichtes Ziel. Verletzlicher als du
und ich. Sie haben die Weisheit der Strasse in sich und sind
irgendwie zäh. Doch sie hungern auch so sehr nach Zuneigung und
Liebe, dass sie jedem glauben mögen, der ihnen etwas Nettes sagt.
In dieser Beziehung sind sie wirklich unschuldig und gänzlich offen
Raubtieren gegenüber. Selbst wenn sie erwachsen sind, selbst wenn
sie Slum-Helden werden. Schlage sie und sie bekommen blaue Flecken,
füge ihnen einen Schnitt zu und sie bluten. Und leicht ist es, ihr
Herz zu brechen.
Das passierte Miss
Lehrerin Froggy. Sie traf einen jungen Mann aus einer Wohngegend,
der Süßholz raspelte. Du kannst erraten, von wem man nie mehr etwas
hörte, als sie schwanger wurde. Während ihrer Schwangerschaft
unterrichtete sie unter der Woche. An den Wochenenden wusch sie
Tintenfisch für 145 Baht pro Tag. Doch das Waschwasser fraß die
Haut ihrer Hände auf. So wechselte sie den Job und wusch die
Eingeweide von Schweinen Freitag-, Samstag- und Sonntagnacht mit
den Frauen vom Schlachthaus, wenn die Männer Schweine schlachteten.
Das brachte 200 Baht pro Nacht. Nun hat
sie eine Tochter, der Stolz ihres Lebens. Und immer noch kommt sie
Tag für Tag zum Kindergarten, um einige Kinder ihrer langjährigen
Freunde zu unterrichten. Es gibt Beständigkeit in den Slums, siehst
du. Slums haben nicht nur was mit Durchreisenden zu tun. Und Miss
Lehrerin Froggy ist ein Slumkind, inzwischen 24 Jahre alt, die im
Slum blieb und Lehrerin wurde. Und die am Beginn jedes Schuljahres
versucht, dass ihre Schüler sie mit Titel und Vornamen anreden. Das
klappt aber nie. Miss Lehrerin Froggy - Kru Kee-it, dabei
bleibt es. Das ist auch eine Art von Beständigkeit. Und die Kinder
im Slum kommen gelaufen und drücken sie und rufen: „Hallo, Miss
Lehrerin Froggy.“ Wenn du fünf Jahre alt wärest, tätest du das
nicht auch?
(ENDE) |
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