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Die Geschichte von Miss Lehrerin „Froggy“

 

  von Pater Joseph H. Maier  
 

 
 

Die Slumkinder in ihrem Kindergarten nennen sie alle Miss Lehrerin “Froggy”, Kru Kee-it. Zu Beginn jedes Schuljahres versucht sie immer wieder, dass die Kinder sie mit ihrem Titel und Vornamen anreden, drei wunderschöne Silben in Thai. Doch ihr Name liegt einfach jedem auf der Zunge und die Kinder vergessen. So ist sie eben Miss Lehrerin „Froggy“. Kru Kee-it. "Kru" heißt Lehrer in Thai und "Kee-it" ist das Wort für den winzigen Frosch, der so viel Lärm macht. Schon als sie selbst noch ein kleines Kind war, rief ihre Mutter sie immer „Froggy“, Fröschchen. Und jetzt machen die Kinder dasselbe. Ein merkwürdiger Name für eine Heldin. Und das ist sie tatsächlich. 

 

Miss Lehrerin Froggy ist eine von unseren wahren Helden im Slum Klong Toey. Sie wuchs in jenem Teil des Elendsviertels auf, der "Schlachthaus" genannt wird. Dort, entlang dem stinkenden Prakanong-Kanal, haben sie früher das Rindvieh und die Wasserbüffel geschlachtet. Froggy hat so geschielt, dass sie wohl einen steifen Hals bekam, wenn sie versuchte, etwas zu betrachten oder gar zu lesen. In der Schule hatte sie es schwer. Sie war Einzelkind, doch ihre Eltern hatten nicht das Geld für eine Augenoperation. Als sie acht Jahre alt war, das Mindestalter für diese Operation, hat es ein großzügiger Arzt aus den Wohnvierteln an der Ratchataewee-Strasse kostenlos gemacht. Er hat sogar den Busfahrschein für ihre Mutter vom Schlachthaus und zurück bezahlt, außerdem die Mahlzeiten. So konnte die Mutter die zwei Tage, die ihre Tochter Froggy eine Augenklappe trug, bei ihr bleiben. 

 

Die Operation hat sich ausgezahlt. Heute sieht die Lehrerin "geradeaus" mit einer Sehkraft von 20-20. Sie braucht nicht einmal eine Brille. Niemand erinnert sich mehr, dass sie einmal die schielende Froggy war. Und jetzt ist sie eine Heldin. Ich meine nicht, dass sie eine Art Rambo im Rock ist. Sie ist hübsch und gerstenschlank. Ihre Augen tanzen und für ihre Kinder ist sie Wendy und Tinker Bell plus Kanga und Pooh und Tigger, vermischt mit etwas Hermine aus Harry Potter. Nie hat sie Designer-Jeans getragen und Mami kaufte ihr ihr erstes Paar Schuhe an dem Tag, als sie losheulte, wie wir das alle getan haben, an ihrem ersten Schultag. Mit anderen Worten, sie ist eine von den Typen. Aus der Nachbarschaft. 

 

Allerdings, einmal war sie ein Rambo-Mädchen. Diesen Monat ist es ein Jahr her. Als die Angst vor Meningokokken-Meningitis beim Schlachthaus umging. Strapazierfähige, betriebsmäßige Wörter für eine schlimme Krankheit, die Gehirn und Wirbelsäule befällt. Sie kann dich umbringen. Drei Kinder im Slum erkrankten und es gab viele blutende Stellen. Fünfjährige sahen in ihren Verbänden wie Kriegsopfer aus. Der Jüngste aus Miss Froggys Klasse war mehr als einen Monat im Krankenhaus. Zwei Monate später wechselte seine Mami immer noch täglich die Verbände. 

 

Es kann mit Ratten-Urin im Wasser, im Müll seinen Anfang nehmen. Zwei Fünfjährige kamen aus Häusern an verschiedenen Enden des Schlachthofes. So war klar, dass der Auslöser nicht auf ein Gebiet beschränkt war. Die Leute vom Gesundheitsministerium nahmen 40 Proben an Auswurf und testeten sieben weitere Kinder positiv. Die waren jedoch frei von Symptomen. Die Gesundheitsbeamten besuchten unseren Kindergarten und spazierten das ganze Elendsviertel entlang in Gesichtsmasken und weißen Krankenhaus-Kitteln. Es war nicht ganz so angsteinflößend wie in den Ebola-Filmen, aber fast. 

 

Das Virus fand sich in stehendem Gewässer. Möglicherweise auch in einigen Häusern der Kinder. Viele Toiletten und Badestellen hatten kein Licht, waren dunkel und unangenehm feucht. Fräulein Lehrerin Froggy stand an der Spitze der Brigade. Sie ging von Haus zu Haus und sagte es allen: Nachbarn, Freunden, den Menschen, die sie schon als Kind gekannt hatte.

     

Sie war überall, organisierte die gesamte Nachbarschaft. Bis zu den Knien stand sie in den gefährlichsten Müllhalden und räumte Abfall weg. Sechs riesige, übel riechende Lastwagenladungen in zwei Tagen. Jeder half mit. Mehr als 400 von uns. Wir alle schluckten das Gegenmittel und niemand wurde krank. Wir legten rund 100 Bäder trocken. Der Slum war nun ein sauberer Ort. Die Gesundheitsleute meinten, sie hätten noch nie eine Gemeinschaft so an einem Strang ziehen sehen. 

 

Schließlich starb die Angst. Den kranken Kindern ging es besser. Als die Schule wieder begann, kehrte auch Miss Lehrerin Froggy wieder in ihren Klassenraum in der Holzbaracke zurück. Jetzt war sie eine Heldin im Alltag. Vielleicht die wichtigste. Stets da, wenn Kinder sich fürchten. Einige rennen nachts zu ihrem Haus, wenn sie aufwachen - alleine, ängstlich, weinend - wenn ihre Mamis bei der Arbeit sind. 

 

Sie stehen vor ihrer Tür und weinen und sie lässt sie herein, damit sie mit ihrem alten Teddybär schlafen, bis ihre Mütter bei Tagesanbruch nach Hause zurückkommen. Wenn sie wirklich Angst haben, was oft der Fall ist, dann packt sie die Kleinen in eine Decke, kuschelig und warm, und hält sie fest, bis sie wieder Schlaf finden. 

 

Im Unterricht ist sie streng. In der Klasse herrscht Ordnung. Da gibt es was auf die Finger. Wenn man das zweite Jahr von Miss Lehrerin Froggys Kindergartenklasse beendet hat, ist das so, wie einen Orden verliehen zu bekommen. Sie möchte, dass die Kinder in der Schule bleiben. Und einige bleiben auch, so dass sie vielleicht nicht das tun müssen, was ihre Mamis tun, um für Lebensmittel und Unterkunft und die Schuluniform zu zahlen. 

 

Wie Du siehst, sind diese Kinder ein leichtes Ziel. Verletzlicher als du und ich. Sie haben die Weisheit der Strasse in sich und sind irgendwie zäh. Doch sie hungern auch so sehr nach Zuneigung und Liebe, dass sie jedem glauben mögen, der ihnen etwas Nettes sagt. In dieser Beziehung sind sie wirklich unschuldig und gänzlich offen Raubtieren gegenüber. Selbst wenn sie erwachsen sind, selbst wenn sie Slum-Helden werden. Schlage sie und sie bekommen blaue Flecken, füge ihnen einen Schnitt zu und sie bluten. Und leicht ist es, ihr Herz zu brechen. 

 

Das passierte Miss Lehrerin Froggy. Sie traf einen jungen Mann aus einer Wohngegend, der Süßholz raspelte. Du kannst erraten, von wem man nie mehr etwas hörte, als sie schwanger wurde. Während ihrer Schwangerschaft unterrichtete sie unter der Woche. An den Wochenenden wusch sie Tintenfisch für 145 Baht pro Tag. Doch das Waschwasser fraß die Haut ihrer Hände auf. So wechselte sie den Job und wusch die Eingeweide von Schweinen Freitag-, Samstag- und Sonntagnacht mit den Frauen vom Schlachthaus, wenn die Männer Schweine schlachteten. Das brachte 200 Baht pro Nacht. 

 

Nun hat sie eine Tochter, der Stolz ihres Lebens. Und immer noch kommt sie Tag für Tag zum Kindergarten, um einige Kinder ihrer langjährigen Freunde zu unterrichten. Es gibt Beständigkeit in den Slums, siehst du. Slums haben nicht nur was mit Durchreisenden zu tun. Und Miss Lehrerin Froggy ist ein Slumkind, inzwischen 24 Jahre alt, die im Slum blieb und Lehrerin wurde. Und die am Beginn jedes Schuljahres versucht, dass ihre Schüler sie mit Titel und Vornamen anreden. Das klappt aber nie. Miss Lehrerin Froggy - Kru Kee-it, dabei bleibt es. Das ist auch eine Art von Beständigkeit. Und die Kinder im Slum kommen gelaufen und drücken sie und rufen: „Hallo, Miss Lehrerin Froggy.“ Wenn du fünf Jahre alt wärest, tätest du das nicht auch?

(ENDE)

 
   
 
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