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Klong Toey - das Armenhaus Bangkoks

 

  Eine Ortsbeschreibung von Wolfgang Rollik  
 

 
 

Klong Toey ist ein Stadtbezirk im Süden Bangkoks. Hier ist das Armenhaus der thailändischen Hauptstadt. Ihr größter Slum. Wer vom anderen Ende der Stadt, wo es hinaus zum Flughafen Don Muang geht, kommt, der nimmt am besten den Skytrain. Das ist eine moderne, schnelle Hochbahn, die manchmal von oben bis unten mit Reklame beklebt ist. Ja selbst die Fenster sind nicht ausgespart. Aber durch kleine Löcher, wie bei einem Netz, kann man ein bisschen nach draußen auf die Bahnsteige sehen. Die Bahn mit ihrer Reklame für den neuesten Harry-Potter-Film, für eine Crème oder die Tourismus-Behörde des Landes fegt über die ständig verstopften Straßen hinweg, elegant und ohne in einem der zahllosen Verkehrsstaus hoffnungslos stecken zu bleiben. So gelangt man schnell in die Nähe von Klong Toey.

 

Die Haltestelle Ekkamai ist besonders unter Rucksack-Touristen bekannt. Von hier fahren die blauen Linienbusse nach Fahrplan in den Osten des Landes. Eine Fahrt von etwa 200 Kilometern kostet nicht einmal zwei Euro. Für die meisten, die in Klong Toey leben, ist das aber schon mehr als der gesamte Tageslohn, den sie mit Handlangerarbeiten oder dem Verkauf verschiedener einfacher Güter machen können. 

 

Von Ekkamai nach Klong Toey gelangt man am besten mit einem Taxi. Erst überquert man die große Verbindungsstraße „Rama 4“. Sie ist nach König Mongkut benannt, der der vierte der Chakri-Könige (das ist eine Dynastie) war. Mitte des 19. Jahrhunderts hat er Thailand der westlichen Entwicklung angeglichen. Auf Rama 4 gibt es noch gute Stadthäuser und Anlagen zu sehen. Je weiter die Fahrt Richtung Hafen geht, desto ärmlicher werden die Wohnverhältnisse. Vor einem Geschäft, das weder Fenster noch Türen hat, sondern abends mit einer Jalousie verschlossen wird, sitzen die Fahrer von Motorrad-Taxis in ihren roten Westen. Wer es eilig hat in Klong Toey, der nimmt dieses Verkehrsmittel. Es ist preiswert. Aber auch nicht ungefährlich. Helme tragen die Fahrer selten und die Fahrgäste so gut wie nie. Die jungen Männer warten auf Mitfahrer. Derweil vertreiben sie sich die Zeit mit einem Brettspiel. Als Spielfiguren dienen die Verschlüsse von Getränkeflaschen. 

 

Man muss sich dennoch nicht scheuen, im Taxi nach Klong Toey zu fahren. Man fällt damit nicht besonders auf. Taxis gehören auch im Armenviertel zum gewohnten Anblick. Nicht wenige der Männer hier setzen sich von 4 Uhr morgens bis 16 Uhr am Nachmittag und von 16 Uhr bis 4 Uhr früh hinter das Steuer eines der blau-roten oder gelb-grünen Autos und kurven rastlos während ihrer Tag- oder Nachtschicht durch die Stadt mit ihren rund zehn Millionen Einwohnern. Immer auf der Suche nach Kundschaft. Die kommt allerdings nur selten aus den mit Wellblech gedeckten Baracken und Hütten, die dicht gedrängt an den Hafen grenzen.        

 

 

Der Hafen gibt den Menschen Arbeit und Lohn, wird aber mehr und mehr auch zur Bedrohung. Jenseits der Mauer, hinter der schwere Hebekräne, aufeinander gestapelte Fracht-Container und rangierende Lastwagen zu sehen sind, werden bereits die ersten Behausungen abgerissen, um Platz zu machen für eine Erweiterung der Hafenanlagen. Das heißt: Über kurz oder lang müssen sich viele Menschen hier ein neues Zuhause suchen.

 

 

Hier ist auch das Arbeitsfeld des amerikanischen Redemptoristen-Paters Joseph H. Maier. Hier, in der Umgebung des Schlachthauses, spielen seine Geschichten. Echte Geschichten. Von Miss Froggy, der Lehrerin, von Gift und dem Wasserbüffel, von Miss Sao, die bei der Hochzeit eines wunderschönen Thai-Models als Blumenkind voranschreiten durfte und von den vielen anderen großen und kleinen Heldinnen und Helden des Alltags. Hierher waren die ersten von ihnen vor etwa 40 Jahren gekommen. Die Buddhisten und Moslems haben Probleme, Schweine zu schlachten. So waren es Katholiken, die die Arbeit im Schlachthof übernahmen. Anfangs lebten etwa 200 Familien in der Nähe in baufälligen Hütten und in winzigen Räumen. „Father Joe“, wie ihn hier alle nennen, erinnert sich: „Unsere erste Kirche im Schlachthaus war ein Raum unter der Brücke. Dann sind wir in ein kleines Haus umgezogen, wirklich eine Hütte.“ 

 

Seit kurzem wird das Schlachthaus, das dem Elendsviertel seinen Namen gab, übrigens nur noch wenig genutzt. Ein anderer Schlachthof füttert „den Bauch von Bangkok“.    

(Ende)

 
   
 
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