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Klong Toey
ist ein Stadtbezirk im Süden Bangkoks. Hier ist das Armenhaus der
thailändischen Hauptstadt. Ihr größter Slum. Wer vom anderen Ende
der Stadt, wo es hinaus zum Flughafen Don Muang geht, kommt, der
nimmt am besten den Skytrain. Das ist eine moderne, schnelle
Hochbahn, die manchmal von oben bis unten mit Reklame beklebt ist.
Ja selbst die Fenster sind nicht ausgespart. Aber durch kleine
Löcher, wie bei einem Netz, kann man ein bisschen nach draußen auf
die Bahnsteige sehen. Die Bahn mit ihrer Reklame für den neuesten
Harry-Potter-Film, für eine Crème oder die Tourismus-Behörde des
Landes fegt über die ständig verstopften Straßen hinweg, elegant
und ohne in einem der zahllosen Verkehrsstaus hoffnungslos stecken
zu bleiben. So gelangt man schnell in die Nähe von Klong
Toey.
Die
Haltestelle Ekkamai ist besonders unter Rucksack-Touristen bekannt.
Von hier fahren die blauen Linienbusse nach Fahrplan in den Osten
des Landes. Eine Fahrt von etwa 200 Kilometern kostet nicht einmal
zwei Euro. Für die meisten, die in Klong Toey leben, ist das aber
schon mehr als der gesamte Tageslohn, den sie mit
Handlangerarbeiten oder dem Verkauf verschiedener einfacher Güter
machen können.

Von Ekkamai nach
Klong Toey gelangt man am besten mit einem Taxi. Erst überquert man
die große Verbindungsstraße „Rama 4“. Sie ist nach König Mongkut
benannt, der der vierte der Chakri-Könige (das ist eine Dynastie)
war. Mitte des 19. Jahrhunderts hat er Thailand der westlichen
Entwicklung angeglichen. Auf Rama 4 gibt es noch gute Stadthäuser
und Anlagen zu sehen. Je weiter die Fahrt Richtung Hafen geht,
desto ärmlicher werden die Wohnverhältnisse. Vor einem Geschäft,
das weder Fenster noch Türen hat, sondern abends mit einer Jalousie
verschlossen wird, sitzen die Fahrer von Motorrad-Taxis in ihren
roten Westen. Wer es eilig hat in Klong Toey, der nimmt dieses
Verkehrsmittel. Es ist preiswert. Aber auch nicht ungefährlich.
Helme tragen die Fahrer selten und die
Fahrgäste so gut wie nie. Die jungen Männer warten auf Mitfahrer.
Derweil vertreiben sie sich die Zeit mit einem Brettspiel. Als
Spielfiguren dienen die Verschlüsse von
Getränkeflaschen. Man muss sich dennoch nicht
scheuen, im Taxi nach Klong Toey zu fahren. Man fällt damit nicht
besonders auf. Taxis gehören auch im Armenviertel zum
gewohnten Anblick. Nicht wenige
der Männer hier setzen sich von 4 Uhr morgens bis 16 Uhr am
Nachmittag und von 16 Uhr bis 4 Uhr früh hinter das Steuer eines
der blau-roten oder gelb-grünen Autos und kurven rastlos während
ihrer Tag- oder Nachtschicht durch die Stadt mit ihren rund zehn
Millionen Einwohnern. Immer auf der Suche nach Kundschaft. Die
kommt allerdings nur selten aus den mit Wellblech gedeckten
Baracken und Hütten, die dicht gedrängt an den Hafen
grenzen.

Der Hafen gibt den
Menschen Arbeit und Lohn, wird aber mehr und mehr auch zur
Bedrohung. Jenseits der Mauer, hinter der schwere Hebekräne,
aufeinander gestapelte Fracht-Container und rangierende Lastwagen
zu sehen sind, werden bereits die ersten Behausungen abgerissen, um
Platz zu machen für eine Erweiterung der Hafenanlagen. Das heißt:
Über kurz oder lang müssen sich viele Menschen hier ein neues
Zuhause suchen. Hier ist auch
das Arbeitsfeld des amerikanischen Redemptoristen-Paters Joseph H.
Maier. Hier, in der Umgebung des Schlachthauses, spielen seine
Geschichten. Echte Geschichten. Von Miss Froggy, der Lehrerin, von
Gift und dem Wasserbüffel, von Miss Sao, die bei der Hochzeit eines
wunderschönen Thai-Models als Blumenkind voranschreiten durfte und
von den vielen anderen großen und kleinen
Heldinnen und Helden des
Alltags. Hierher waren die ersten von ihnen vor etwa 40 Jahren
gekommen. Die Buddhisten und Moslems haben Probleme, Schweine zu
schlachten. So waren es Katholiken, die die Arbeit im Schlachthof
übernahmen. Anfangs lebten etwa 200 Familien in der Nähe in
baufälligen Hütten und in winzigen Räumen. „Father Joe“, wie ihn
hier alle nennen, erinnert sich: „Unsere erste Kirche im
Schlachthaus war ein Raum unter der Brücke. Dann sind wir in ein
kleines Haus umgezogen, wirklich eine
Hütte.“
Seit kurzem wird das
Schlachthaus, das dem Elendsviertel seinen Namen gab, übrigens nur
noch wenig genutzt. Ein anderer Schlachthof füttert „den Bauch von
Bangkok“. (Ende) |
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