Login   Kontakt   Suche   Sitemap   Spende   Drucken
/ Home / Menschen & Kulturen / Kontinente / Asien / Myanmar

 

Gläubiger Protest

 

  von Pater Dr. Hermann Schalück ofm, Präsident von missio in Aachen  
 

 
 

Mit Bewunderung und Anteilnahme haben viele Menschen in Deutschland den Kampf der Nonnen und Mönche in Birma/Myanmar um Freiheit und Selbstbestimmung verfolgt. Knapp zwei Jahrzehnte nach der blutigen Niederschlagung der studentischen Demokratiebewegung hat der Widerstand gegen das Militärregime ein neues Gesicht bekommen. Die safranroten und weißen Gewänder der buddhistischen Mönche und Nonnen wurden Symbol dafür, dass Glaube Berge versetzen und totalitäre Regime in Bedrängnis bringen kann. So wie in Myanmar Nonnen und Mönche ihre Klöster verlassen haben, um die Forderung nach Freiheit in die Gesellschaft zu tragen, tragen auch immer wieder Christen den Protest aus Kirchen hinaus. Mitte der 80er-Jahre waren auf den Philippinen die Tage des Marcos-Regimes gezählt, als die katholische Kirche gegen die Machthaber aufstand. 

Tausende stellten sich den Panzern entgegen; Priester und Schwestern verliehen dem Widerstand moralische Autorität. In den ehemals totalitären Staaten Mittel- und Osteuropas hat der Widerstand von Christen entscheidend zum friedlichen Wandel beigetragen. Weniger bekannt sind die vielen Beispiele, von denen mir unsere afrikanischen und asiatischen Partner immer wieder erzählen. Männer und Frauen, die sich, oft unter hohem Risiko, Gewalt und Repressionen entgegenstellen. Sie haben verstanden: „Wer Menschen demütigt, spuckt in das Antlitz Gottes“ (Bischof Jaques Gaillot, Frankreich).

Widerstand hat eine Chance, wenn er sich nicht darin erschöpft, gegen etwas zu sein, sondern von der Liebe zur Sache oder besser zu den Menschen getragen ist. Die christliche Bewegung ist reich an Zeugnissen eines solchen Widerstands aus dem Glauben. Häufig sind es Laien, die der Menschenverachtung eines totalitären Regimes einen Lebensentwurf entgegensetzen, der sich an den Werten des Evangeliums orientiert. Die kirchliche Hierarchie tut sich da nicht selten schwerer. Auch in Myanmar, wo Laien und einzelne Priester zwar ein politisches oder gesellschaftliches Engagement der Bischofskonferenz wünschen, die Bischöfe das aber weitgehend ablehnen. „Unsere Kirche ist so still“, erklärte eine einheimische Ordensfrau angesichts der Proteste der buddhistischen Mönche und Nonnen. „Wir haben Angst, die Wahrheit zu sagen.“

Es steht uns nicht an, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Gefragt ist vielmehr weltkirchliche Solidarität: Durch eine gezielte Förderung etwa im Bereich Menschenrechte können wir die Kirche in Myanmar dabei begleiten, den Weg aus der Kirche mitten unter die Menschen zu wagen und sich die Leidensgeschichte derer, die für einen friedlichen Wandel ihr Leben riskieren, zu ihrer eigenen zu machen.

Quelle: missio magazin, 1/2008

 
   
 
Weitere Informationen bieten Ihnen unsere folgenden Webseiten:
 
 
 

2008, Heft 1
Inhalte des missio-Eigenteils von kontinente: Aktion Volltreffer - Wunde Füße / Ausbildungsförderung - Das Rückgrat der Kirche / Fachgespräch - Frauen sind Opfer / Afrikatag - Heimkehr auf verbrannte Erde / Standpunkt: Gläubiger Protest
 

16 · Zur Lage der Menschenrechte in Myanmar/Birma. Kirche unter Militärdiktatur
Die vorliegende Studie konzentriert sich auf die Situation der ethnischen bzw. religiösen Minderheiten. Dabei stehen die christlichen Kirchen, insbesondere die katholische Kirche im Mittelpunkt.
 

Myanmar (Birma)
1948 von den Briten in die Unabhängigkeit entlassen, ist das Land seit 1962 eine Militärdiktatur. Bis 1989 hieß es offiziell Burma. Dann bestimmte das Regime Myanmar als Namen. Die UN und Deutschland haben dies anerkannt, die USA nicht; Birma ist die eingedeutschte Variante. - Die christlichen Kirchen, die mit ca. 4% eine kleine Minderheit im Land sind, erfahren Restriktionen, Kontrolle und Unterdrückung. Christen gehören fast ausschließlich den ethnischen Minderheiten im Lande an.
mehr