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Kirche in Birma: Lagebericht aus einem fernen Land

 

   
 

 
 

Aung San Suu Kyi, die seit über 2 Jahren wieder unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin, hat Myanmar, im Westen meist Birma genannt, auf internationaler Bühne zu einer Bekanntheit verholfen, die den seit 1974 in Rangun herrschenden Militärs, heute unter Führung von Präsident General Than Shwe und Regierungschef General Soe Win, ein Dorn im Auge ist. Unter den 50 Millionen Einwohnern, zu 87 Prozent Buddhisten, stellen die Christen eine 4-prozentige Minderheit. Die katholische Kirche, seit Mitte des 19. Jahrhunderts in dem südostasiatischen Land erkennbar präsent, zählt 3 Erzdiözesen und 9 Bistümer, die meisten im Laufe des 20. Jahrhunderts errichtet; die ältesten sind das Erzbistum Rangun (1866) und das Bistum Taungngu (1870). Dem Episkopat gehören 13 amtierende Mitglieder, darunter 2 Weihbischöfe, an.     

Eine Unterstützung der weltweiten Rufe nach der Freilassung von Aung San Suu Kyi und sonstiger politischer Häftlinge durch seine Kirche, räumte Erzbischof Charles Maung Bo SDB (56) von Rangun (Yangon) ein, wäre „sehr gefährlich. Die Regierung reagiert sehr empfindlich bei diesem Thema. Offiziell und öffentlich wagen es die Menschen nicht, ihren Namen zu nennen". Offizielle Kontakte zwischen der Junta und der katholischen Kirche gebe es nicht, erklärte der einheimische Salesianer, der seit Juni 2003 das Hauptstadt-Erzbistum leitet und davor ab Ende 1990 Bischof von Lashio und ab März 1996 von Pathein war, in einem KNA-Gespräch. Auch die katholische Kirche werde von der Regierung bei ihren Aktivitäten beobachtet. Regelmäßig würden genaue Angaben verlangt, wie und woher sie ihre Gelder, die - dankenswert - zu einem erheblichen Teil aus dem Ausland, auch von der deutschen Kirche und ihren Hilfswerken komme, beziehe.     

     

Bei dem kirchlich-theologisch wichtigen Begriff „Dialog" reagierten die Militärs abweisend, so Bo, witterten sie dahinter doch Ambitionen wie Verständigung, Friedensinitiativen oder auch Kontakte zur Opposition. Wohl leiteten die christlichen Kirchen ab und an der Regierung gemeinsame Stellungnahmen in gesellschaftlichen Anliegen zu. Bei aller Restriktion seitens der Machthaber sieht der Erzbischof die Situation der Christen in Myanmar aber doch um einiges besser als die der christlichen Minoritäten etwa in China, Laos oder Vietnam. So stehe weder die Ernennung katholischer Bischöfe noch die Ausbildung der Seminaristen, die Weihe von Priestern oder die Aufnahme von Novizen in die Orden unter staatlicher Kontrolle. Bo bestätigte, dass der Heilige Stuhl seit einigen Jahren versuche, offizielle Kontakte zur Regierung in Rangun aufzunehmen. Die Junta zögere jedoch aus Angst, der Vatikan könnte in diesem Kontext einige Konzessionen, etwa im Bereich der Menschenrechte, einfordern.     

     

Die Zahl der Christen in Myanmar insgesamt hat nach Angaben Bos zugenommen, und religiöse Aktivitäten konnten ausgeweitet werden. In den Bistümern lebten rund 600.000 Katholiken, was 1,3 Prozent der Bevölkerung entspreche. An den 3 Seminaren studierten etwa 300 Priesteramtskandidaten; im Verhältnis zur Größe der Kirche sei damit die Zahl der Berufungen sehr groß. Für die Ausbildung von mehr Studenten fehle es an Kapazitäten. Die knapp 20 Orden im Land nähmen jährlich im Schnitt jeweils 10 Novizen auf. Allerdings: Die Buddhisten würden bevorzugt, etwa durch den Bau von Pagoden, Schulen und Universitäten, während Muslime und Christen Diskriminierung und starker Kontrolle ausgesetzt seien. Eine öffentliche Religionsfreiheit für die Minderheiten gebe es nicht, wohl könnten diese ihren Glauben intern ungehindert ausüben. Der   Bau neuer Kirchen werde nicht erlaubt, und selbst Genehmigungen für Reparaturarbeiten an den bestehenden Gotteshäusern seien nur schwierig zu erhalten. 

 

Das Miteinander zwischen der katholischen Kirche und den übrigen christlichen Gemeinschaften bezeichnete Bo als gut. Vor allem soziale Aktivitäten könnten zunehmend gemeinsam wahrgenommen werden. So gebe es Zusammenarbeit bei Projekten im Gesundheitswesen sowie zur Bekämpfung der Aids-Seuche oder der Drogenproblematik. Freundschaftliche Kontakte bestünden ebenso zu den Muslimen. Allerdings beargwöhne die Regierung solche Kontakte als gegen sie gerichtet. Daher gebe es auch keine offiziellen Gespräche mit den Buddhisten, was jedoch in der Praxis auf Diözesan- und Gemeindeebene gute Beziehungen zu buddhistischen Mönchen nicht ausschließe. Als Indiz für das reale interreligiöse Klima erinnerte der Erzbischof an die zahlreichen (gemeinsamen) Gedenkgebete beim Tod von Papst Johannes Paul II. Zudem gebe es eine ökumenische Gruppe von Christen, die versuche, zwischen unterdrückten (ethnischen) Gruppen und der Regierung zu vermitteln; im Juni habe das jüngste derartige Gespräch in Rangun stattgefunden. Obwohl viele Angehörige der Ethnien Christen seien, haben ihre Konflikte mit den Militärs nach Einschätzung Bos keine Glaubensverfolgung zur Ursache, sondern politische und wirtschaftliche Gründe. Ein anderes Problem in diesem Kontext: Auch Angehörige dieser Ethnien betätigten sich im Drogenhandel. Hinzu komme, dass unter diesen Bevölkerungsgruppen - insbesondere im Grenzgebiet zu Thailand - evangelikale Sekten, die stark aus dem Ausland unterstützt und finanziert würden, mit ihren Aktivitäten für Unruhe sorgten. 

Mit Blick auf die internationale Politik gegenüber Myanmar vertrat Erzbischof Bo die Auffassung, dass massive Kritik und Sanktionen eher eine Hinwendung der Junta zur Volksrepublik China forcieren könnten. Die USA, die Europäische Union und die ASEAN-Staaten sollten versuchen, durch Dialog und Akzeptanz auf die Politik der Militärs in Rangun einzuwirken. Westlichen Touristen schließlich empfahl der Erzbischof ausdrücklich, Myanmar zu besuchen, um sich - so weit möglich - ein persönliches Bild von der Situation im Land zu machen und vielleicht sogar im Gespräch mit Vertretern der lokalen Behörden einen zwar bescheidenen, aber doch wichtigen Beitrag zur Entspannung zu leisten. I/515 


Quelle Text: KNA- Informationsdienst,  Nr. 30 / 20. Juli 2005, Seite 10-11 
Copyright Bilder: A. Meuthrath, 2003