St. Mary's
Catholic Church, Kitgum, 12. August 2003
Liebe Freunde
von missio! Verspätet geht
beiliegender dieser Rundbrief an missio. Die Situation ist
nicht nur unvermindert schlimm, sondern wird täglich schlimmer. Wir
sind praktisch ringsum von Rebellen umgeben. Jede Nacht schlagen
sie zu; immer mehr Entführungen von Kindern, Plünderungen, brutale
Verwundungen und Morde. 5 Katechisten wurden entführt. 3 sind noch
bei Ihnen. Einer meiner brillanten jungen Katechisten wurde
ermordet. Schreckensnachrichten jeden Tag; v.a. am Morgen,
Überfälle und Gräueltaten bis in die Nacht. Die Regierung ist
unfähig, ja unwillig was zu tun. Kein Schutz von Kindern und
Leuten; sie sind erbarmungslos den Schikanen der verschiedenen
Gruppen ausgeliefert: Rebellen, Karimojong (räuberischer
Nachbarstamm), und Militär plus wachsende Anzahl von kriminellen
Elementen. Es ist Genozid an den Acholis (über 1 Million) durch
Acholi (pervers) – von einem Kriminellen, der sich als vom Geist
begabt ausgibt – gesteuert vom Sudan (mit steten Waffenlieferungen)
und der höchst dubiosen Haltung des Präsidenten und seiner Militärs
von Uganda. Eine vollständige Verschwörung gegen die Bevölkerung.
Gestern Nacht noch versuchten wir die wenigen Soldaten zu
animieren, doch nicht einfach wegzulaufen, sollten sie versuchen
unsere 700 Kinder zu entführen. Im Krankenhaus
nebenan suchen mehr als 5.000 (fünftausend) Leute nachts Schutz
(nicht 500, wie fälschlicherweise berichtet). Der Angriff kann
jederzeit erfolgen; sie werden kommen. Das wird
schlimm! Ich musste zwei
Wochen aussetzen (Malaria). Ich kam zurück zu zwei Beerdigungen:
Ein guter, liebenswerter Nachbar ausgeplündert und brutal ermordet;
und eine Studentin, von der Mission gefördert: in einem Hinterhalt
wurde ihr der ganze Hinterkopf weggeschossen. Es ist nur noch
schwer zu packen! Nur intensives langes Beten hilft, sich
weiterzuschleppen. Wir müssen doch Hoffnungsträger
bleiben. Euer Pater
Josef Gerner P.S.: Die
Entschließung des Europäischen Parlaments zu den
Menschrechtsverletzungen in Nord-Uganda vom 3.7.2003 begrüßen wir
sehr. Die hochrangige Delegation war kurz zuvor in Kitgum und Gulu.
Sie hörten gut zu. In diese Richtung muss weitergearbeitet
werden.
St. Mary's
Catholic Church, Kitgum, den 26. Juli 2003 Liebe
Freunde Grüße aus
Nord-Uganda. Vor zwei Wochen waren unser Nuntius und unser
Erzbischof zu Besuch in Kitgum. Solch ein Besuch ermutigt unsere
Leute. Beim Gottesdienst im Freien waren wohl 3.000 bis 4.000
Menschen da. Nachbarn informierten die Gäste über die Misere, die
hier herrscht. Erschütternde Berichte. Nachmittags
besuchten wir 2 große Camps mit bis zu 30.000 Menschen
zusammengepfercht in primitivste Behausungen (oder unbehaust unter
Bäumen oder Verandas). Fruchtbarstes Hinterland bleibt unbebaut
trotz guten Regens, wie schon Jahre nicht mehr. Hunger, Krankheiten
überall. Danach waren
all unsere Schulkinder mit den Gästen bei einem
Demonstrationsmarsch – für die „Menschenrechte der Kinder“! Die
Zahl der Kinder war wohl bei 20.000. – Schon bis zu 4 Monate
betreuen wir bis zu 700 Kinder auf der Mission. Es galt wenigstens
diese wenigen vor dem Zugriff der Rebellen zu bewahren. Die Furcht
vor einem nächtlichen Überfall war und ist noch groß. Die Rebellen
würden alle mitnehmen. Wir eröffneten sogar eine eigene
Schule. Inzwischen
wachsen wir zusammen. Die Kinder machen nicht Sorgen, sondern auch
viel Freude. Seit Mitte Juni ist Frau Margrat Laudage bei uns, wie
schon einige Jahre zuvor. Sie ist vollbeschäftigt: Physiotherapie
im Krankenhaus, vor allem mit Kriegsopfern; dann täglich bis zu 150
unserer Kinder mit ihren Krankheiten und Wunden; zusätzlich noch
Extrakunden auf der Station. Auch ich hatte innerhalb eines Monats
3 mal Malaria und war echt pflegebedürftig. Margrets
Lieblingspatient: Geoffrey Obita – 17-jährig – alle Finger
abgehackt – Lippen und Ohren abgeschnitten. – Warme Zuwendung hilft
ihm, mit seinem Schicksal
positiv umzugehen. Euch allen
herzliche Grüße. Dank für euer Interesse und eure aktive
Anteilnahme. So hart ist es; es ist gut hier
dabeizusein. Euer Pater
Josef Gerner
St. Mary's
Catholic Church, Kitgum, 9. Juni 2003
Liebe
Freunde! Heute ist Pfingsttag;
überfüllte Kirchen, intensives Beten. Ohne die Geisteskraft von
oben nicht durchzustehen! Wir treiben einer enormen Katastrophe
entgegen. Genozid, Völkermord! Tausende von Kindern werden
entführt, Dörfer ausgeplündert und niedergebrannt. Weite
Landstriche sind inzwischen entvölkert. Menschen fliehen in die
Zentren, wo sie weder Unterkunft, Wohnung noch Sicherheit finden.
Schon seit Monaten haben wir Hunderte von Kindern - jetzt sind es
nahe 700 -, die in die Mission fliehen. World Food Programm hilft
mit Nahrungsmitteln. Doch wir bangen jede Nacht, denn sie wollen
diese unsere Kinder alle zusammen entführen. Morgen beginnen wir
mit ihnen eine neue Schule. Im Krankenhaus der Mission suchen
zurzeit bis zu 5000 Menschen Unterkunft für die
Nacht. Seit einigen Wochen
ist die katholische Kirche Angriffsziel. Eine Nachbarstation wurde
niedergebrannt; andere wurden mehrfach überfallen und
ausgeplündert. Jetzt entweihen sie die Kirchen, rauben die hl.
Gefäße; sie sprengten sogar einen Tabernakel auf und streuten die
Hostien auf den Boden. So etwas geschah noch nie in den 17 Jahren
dieses grausamen Krieges. Der Sudan liefert
weiterhin Waffen entgegen allen Abmachungen. Und unsere Regierung
ist weder willig noch fähig, das Volk zu
schützen. Und was hat die LRA
(Lords' Resistance Army) für Ziele? Museweni der Präsident von
Uganda muss weg. Doch sie vernichten das eigene Volk, nicht die
Armee der Regierung. Das ist diabolisch. Offensichtlich wollen
sie mit den Kindern, die sie entführen, eine neue Gesellschaft
aufbauen. Das würde bedeuten, dass alle anderen zu vernichten
sind. Das Schweigen der
Weltöffentlichkeit - trotz all unserer Nachrichten ist somit
tödlich für Hunderttausende. Es ist heller Wahnsinn, was hier
läuft. Ich befürchte Schlimmes. Werden die Kinder, die sich jetzt
bei uns geborgen fühlen, überleben? Wir brauchen eine
internationale Eingreiftruppe. Nur ein internationaler Einsatz kann
unser Volk noch retten. Museveni allerdings gibt immer wieder vor,
seine Militärs würden es schaffen. Liebe Freunde, betet
für uns. Euer P. Josef
Gerner |