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"Wir danken Gott dafür, dass wir einen fairen und gerechten Frieden erreicht haben."

 

   
 

 
 

“Die Erwartungen der Menschen an die künftige Regierung sind sehr hoch”, hat der sudanische Vize-Präsident und frühere Rebellenführer John Garang gegenüber Vertreterinnen des Internationalen Katholischen Missionswerks missio zwei Tage vor seinem Tod, am Donnerstag, 28. Juli 2005, gesagt. Während des Interviews im Rahmen der missio Kampagne "1 Euro für Afrika" 2006 in seinem Hauptquartier New Site, im Süd-Sudan nahe der kenianischen Grenze, hat er seine Pläne für den neuen Frieden im Süd-Sudan erläutert und die Kirche einen Partner für die künftige soziale und ökonomische Entwicklung des Landes genannt. Garang starb Samstagnacht aus noch ungeklärter Ursache bei einem Hubschrauber-Absturz auf der Rückreise von Uganda, rund 75 Kilometer von seinem Hauptquartier New Site entfernt.




missio: Herr Vize-Präsident, wie bewerten Sie den Einsatz der katholischen Kirche beim Wiederaufbau des Sudan?

John Garang: Wir ermutigen alle Initiativen, die Frieden und Stabilität in unser Land bringen, weil diese Faktoren die Voraussetzung für jede Entwicklung sind: Jetzt, nachdem wir 22 Jahre lang Krieg im Land hatten und der Frieden beginnt. Die wichtigste Sache für unsere Leute ist dabei die Aussicht auf soziale Dienste und Einrichtungen. Dafür muss jedoch zunächst eine Entwicklung der Menschen auf dem Land in Gang kommen.

missio: Wie soll diese Entwicklung auf dem Land aussehen?

Garang: In der künftigen südsudanischen Regierung - die noch eingesetzt werden muss - haben wir die Vision, dass wir die Städte zu den Menschen bringen, statt die Menschen in die Städte. Denn: In vielen afrikanischen Staaten werden die Leute von wenigen großen Städten angezogen, von der Hauptstadt und wenigen Industriezentren. Die Menschen werden von den Lichtern der Städte angezogen, aber sie kommen ohne Ausbildung und berufliche Fähigkeiten. So können sie keine Arbeit in der Stadt finden und enden in den Slums. Wir werden versuchen, von dieser Art der Verstädterung wegzukommen und eine Entwicklung an der Graswurzel zu erreichen.

missio: Wie soll das aussehen?

Garang: Das Geld, das wir aus der Ölförderung im Sudan erhalten, wollen wir für die ländliche Entwicklung verwenden. Wir wollen die Landwirtschaft stärken und kleine Städte aufbauen – mit Schulen, Kliniken und Einkaufsmöglichkeiten. Wenn ich 600 Millionen Dollar habe, würde ich sie lieber in 600 ländliche Städte investieren als in zwei, drei große Projekte. Denn am Ende wird die Produktionsrate all dieser kleinen Städte zusammen, hervorgebracht von Millionen Menschen, größer sein als alles andere. Das ist ein einfaches Gesetz der Volkswirtschaft.  

missio: Welche Rolle kann die Kirche im Land dabei spielen?

Garang: Auch die Kirche ist an der Graswurzel, in jedem Dorf. Zuerst wird sie sich ihrer spirituellen Aufgabe zuwenden und überdies an der sozialen sowie wirtschaftlichen Entwicklung im Land mitarbeiten.

missio: Kann die Kirche auch dazu beitragen, dass künftig mehr Frieden zwischen den Menschen hier herrscht?

Garang: Wie andere zivile Gruppen auch, ist und war die Kirche an dem Friedensprozess in den vergangenen 22 Jahren beteiligt – auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Natürlich wird dieser Prozess nicht ewig dauern, weil ich keine unüberwindlichen Schwierigkeiten sehe – jetzt, nach Unterzeichnung des Friedensvertrages. Die Flüchtlinge und Rückkehrer werden in den nächsten 12 Monaten wieder aus Ostafrika und dem Nord-Sudan zurück kommen. Vor allem müssen sie wieder in ihre verschiedenen dörflichen Gemeinschaften reintegriert werden. Wenn wir das alle zusammen geschafft haben, dann werden Gesetz und Ordnung von der Polizei und anderen staatlichen Einrichtungen aufrecht erhalten werden können.

missio: Nach all diesen Jahren des Kampfes im Sudan haben Sie jetzt endlich Frieden im Süden. Wie ist dieser Friede für Sie selbst, in Ihrem tiefsten Innern?

Garang: Wir danken Gott dafür, dass wir einen fairen und gerechten Frieden erreicht haben. Nicht irgendeinen Frieden, sondern einen fairen. Das ist für uns alle hier im Süden, besonders für mich, eine große Befriedigung. Als ich vor drei Wochen zum ersten Mal nach 22 Jahren Khartum besucht habe, haben mich dort mehr als 6 Millionen Menschen begrüßt: Es war eine Botschaft der Menschen, dass ihre Erwartungen an die künftige Regierung sehr hoch sind. So werden wir alles daran setzen, diese Erwartungen zu erfüllen und danach Gott dafür danken.

Uta Jungmann 

 
   
 
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