Das Ökumenische Friedensgebet 2005 thematisiert den Zusammenhang zwischen Frieden und Heilung. Die Mitwirkung am Heil der anderen verhilft jenen Frieden zum Durchbruch, der Frucht der Gerechtigkeit ist.
Frau Sabine Plonz hat in El Salvador erlebt, wie im Leben der Armen Gesundheit und Friedens stets gefährdet und Solidarität untereinander stets gefordert sind. Dies erinnert an die Situation der Gemeinden, an die Jakobus seinen Brief schreibt. Für den Anlauf der Andacht kann nach der Eröffnung zunächst der biblische Text (Jakobus 5, 13-16) gemeinsam gelesen werden. Anschließend wird der Impuls vorgetragen und ein Austausch geführt. Zum Abschluss kann gemeinsam ein Gebet gesprochen werden oder das Gebet von Frau Plonz vorgelesen werden. Jakobus 5,13-16 5:13 Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. 14 Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. 15 Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. 16 Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Impuls „Wo es keinen Doktor gibt...“ – so heißt ein populäres Buch, das in der Dritten Welt verbreitet ist. Es erklärt mit einfachen Worten und Zeichnungen, wie man Krankheiten erkennt und behandelt, es erläutert Vorbeugungsmaßnahmen und gibt Rat zum Schutz vor gefährlichen Tieren. „Wo es keinen Doktor gibt“ ist mitunter ein gefährliches Buch. So habe ich es erlebt in El Salvador, einem der ärmsten Länder Lateinamerikas. Das Regime selbst versorgte die Bevölkerung nicht mit Ärzten und Medizin, aber die notgedrungene Hilfe zur Selbsthilfe war ihm auch nicht recht. Im Gegenteil: Wer wie die lutherische Kirche Gesundheitsstationen für die Armen unterhielt, wer als Mitarbeiterin der Kirche mit dem Buch über Land reiste oder Wissen über Heilkräuter austauschte, legte ja den Finger auf die Wunde des Staates und galt in Zeiten des Bürgerkrieges der achtziger Jahre als Aufrührer. Diese Leute mussten mit Verfolgung, mit Gewalt oder Verhaftung rechnen. Ich lernte: das Leben der Armen ist immer lebensgefährlich. Es ist bedroht durch Krankheit und die Gewalt der Herrschenden. „Wir haben eine Frau hier mit dem Talent für das Gebet für die Kranken“. So hieß es in den Gottesdiensten einer der lutherischen Landgemeinden in El Salvador. Erwartungsvolle Stille kehrte ein, wenn sie niederkniete. Sie betete mit leiser Stimme um Hilfe und Heilung für die Kranken im Dorf. Offensichtlich war sie von einer der charismatischen Kirchen zu den Lutheranern gestoßen. Diese nahmen ihr Talent gerne an. Hilfe zur Selbsthilfe – wo es keinen Doktor gibt – durch den armen und unstudierten Pastor, der mit Stethoskop und Tabletten in der Tasche die Armen besuchte, aber auch durch das Gebet dieser ungebildeten Frau. Die Armen können sich keine Gesundheit kaufen. Aber sie brauchen Heilung. Mit Gebeten und Solidarität untereinander versuchen sie, sich zu helfen.
Zur Zeit Jesu und der ersten Gemeinden war die Klassenteilung ebenso krass wie heute. Auf der einen Seite die Leprakranken, die außerhalb der Dörfer vor sich hinvegetieren mussten, die durch Mangelernährung geschwächten und durch schmutziges Wasser erblindeten Menschen. Auf der anderen Seite die faszinierende Bäderkultur der begüterten römischen und orientalischen Landbesitzer, Politiker, Militärs, und Verwaltungseliten.
Jesus zog als Heiler durch das Land. So legte er den Finger auf die Wunden, die das Unrechtssystem schlägt. Und er zog die Armen damit an. Denn die Armen hoffen zuerst einmal auf Heilung von Krankheiten. Jakobus schreibt einen Brief an Gemeinden im römischen Reich, die auch auf Heilung durch Jesus hoffen. Aber sie sind zerspalten in Arm und Reich. Er mahnt, gute Werke zu tun und nicht nur schön zu reden. Er warnt davor, mit Worten zu verletzen. Er kritisiert die Reichen, die innerhalb der Gemeinde die Armen betrügen und unterdrücken. Aber er setzt sich auch für Ausgleich unter den unterschiedlichen Gruppen ein. Jakobus fragt: Womit können Reiche und Arme, Starke und Schwache sich gegenseitig Gutes tun? Er schlägt ein Geben und Nehmen vor: Der kranke Mensch ruft um Hilfe, aber die Geschwister aus der Gemeinde bekommen bei den Kranken auch selbst Hilfe. Sie können miteinander reden, sich gegenseitig vergeben und so frei von ihren Lasten werden. Kein Ende des Elends also, obwohl die Gerechtigkeit Gottes das fordert. Aber mindestens Gebet und Hilfe zur Selbsthilfe. Für die Armen gibt es keine andere Möglichkeit, gesund zu werden. Für die Reichen eröffnet sich die Möglichkeit, sich zu bekehren: zu den Armen in der Gemeinde und zu einer gerechten Verteilung der Gesundheits- und Lebenschancen für alle Menschen. So entfalten auch die Salbung mit Öl und der Psalmengesang ihren vollen Sinn. Sie tun wohl an Leib und Seele. Sie sind Zeichen für den ankommenden Messias, der das ganze Volk gesund machen wird.
Gebet Gott zu dir rufe ich,
denn mich schmerzen die Bosheiten meiner Gegner.
Mir tun alle Knochen weh unter den Angriffen meiner Neiderinnen.
Sie drücken mich nieder mit ihrer Gewalt.
Richte mich auf Gott,
dass ich mich lösen kann von meinen Lasten;
stütze mich,
dass ich sicher stehe und frei von Furcht gehen kann.
Amen.
Autorin: Sabine Plonz Erschienen in: Unsere Kirche, 29.10.2000
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