Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Zur Lage der Menschenrechte in Liberia: Ein Traum von Freiheit“ der missio-Fachstelle Menschenrechte. „Die Menschenrechtsstudie dokumentiert den Einsatz der katholischen Kirche für Gerechtigkeit und Frieden, für Menschen- und Bürgerrechte während der Herrschaft des Diktators Charles G. Taylor, die zum völligen Staatsverfall führte, sowie in der Zeit nach der erzwungenen Abdankung des Despoten,“ erläutert der Leiter des missio-Afrikareferats und Autor der Studie, Hans-Peter Hecking. Die Studie bietet einen Abriss der jüngeren Geschichte Liberias bis in die Gegenwart und ist das bislang einzige Werk, das konkret darlegt, auf welche Art und Weise sich die katholische Kirche in den Phasen der staatlichen Degeneration für die Interessen der Menschen eingesetzt hat. Belegt wird das durch kirchliche Dokumente und Verlautbarungen. So hat Erzbischof Michael Kpakala Francis neben gemeinsamen Stellungnahmen mit der liberianischen Bischofskonferenz (CABICOL) in zahlreichen Hirtenbriefen sowie auf internationalen Konferenzen immer wieder auf die desolate Situation seines Landes hingewiesen und eindringlich gegen die Verarmung, Gesetzlosigkeit und Schattenwirtschaft protestiert. Unter seiner Präsidentschaft wurde 1990 das „Inter-Religious Council of Liberia“ (IRCL) gegründet. Über ihre Arbeit im IRCL war die katholische Kirche schließlich maßgeblich daran beteiligt, dass die Friedensverhandlungen in Accra/Ghana zustande kamen und die Taylor-Regierung abgelöst wurde. Aufgaben der katholischen Kirche in der politischen Übergangsphase Auch mehr als ein Jahr nach dem Ende der Taylor-Herrschaft gehört Liberia mit seinen etwa 3,3 Millionen Einwohnern zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Die älteste Republik Schwarzafrikas ist auch heute noch geprägt von sozialem, ökonomischem und politischem Niedergang. „In der jetzigen Phase des politischen Wandels, der Aufarbeitung der Geschehnisse unter der Taylor-Diktatur und in Vorbereitung auf die geplanten Wahlen im Oktober 2005, spielt die katholische Kirche bei der Stabilisierung des Landes und der Wahrung der Menschenrechte wieder eine entscheidende Rolle“, schlussfolgert Hans-Peter Hecking. Diese Rolle nimmt sie über die 1991 von der liberianischen Bischofskonferenz als unabhängige Menschenrechtsorganisation gegründete „Justice and Peace Commission“ (JPC) wahr. Zu vorrangigen Aufgaben der JPC gehören die Veröffentlichungen von Menschenrechtsverletzungen, Gefangenenbetreuung, Aufzeichnung von Zeugenaussagen über die Massaker während des Taylor-Regimes und Maßnahmen zur Bürgerrechtserziehung. missio-Spenden auch für landesweite Bewusstseinsbildungsprogramme In Solidarität zur katholische Kirche in Liberia unterstützt missio diese durch gezielte Lobbyarbeit in Deutschland und finanziell, durch die Förderung spezieller Projekte im Bildungs- und Ausbildungsbereich. Neben einem landesweiten Bewusstseinsbildungsprogramm zur Wahlerziehung und Vermittlung allgemeiner Menschen- und Bürgerrechte, einem Rechtserziehungsprogramm für Frauen, fördert missio zahlreiche Projekte zum Wiederaufbau kirchlicher Infrastruktur nach den Zerstörungen des Krieges. Insgesamt hat missio in 2004 mit der Hilfe der deutschen Spenderinnen und Spender 860.570,00 Euro den Projekten in Liberia zuwenden können. |