Die
erschreckend niedrige Aufklärungsquote bei Straftaten pädophiler
deutscher Sextouristen hat das Internationale Katholische Hilfswerk
missio kritisiert. „Insgesamt landen 99 Prozent der Täter weder in
Deutschland noch im Ausland vor Gericht“, erklärte Otmar Oehring,
Leiter der missio-Fachstelle Menschenrechte, in dem
am 9. März veröffentlichten Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Zwar sei seit 1993
der im Ausland verübte Kindesmissbrauch auch in Deutschland
justiziabel, aber die Umsetzung sei in der Praxis oft schwierig.
Viele Sextouristen reisten deshalb in sogenannte Entwicklungsländer
wie Thailand, Sri Lanka oder auf die Philippinen, „weil sie
glauben, dort unentdeckt zu bleiben und sich auch leichter
freikaufen zu können“, erklärte Otmar Oehring.
Nach seiner
Einschätzung suchen sich zahlreiche Täter zunehmend jüngere Opfer.
„Viele Männer bevorzugen Jungfrauen, um das Ansteckungsrisiko
speziell von AIDS zu minimieren.“ Die Zahl der
deutschen Sextouristen, die mit Minderjährigen verkehren, wird von
Experten auf einen Täterkreis von 50.000 bis 200.000 Personen
geschätzt. Im Rahmen der Aktion Schutzengel, der missio-Kampagne gegen Sextourismus und Kinderprostitution,
macht die Hilfsorganisation seit 1999 auf deutschen Flughafen auf
das Thema aufmerksam. Zu der nächsten größeren Veranstaltung am 24.
April im Flughafen Düsseldorf werden Politiker, Prominente und die
Projektpartner erwartet, die sich für den verstärkten Schutz von
Kindern vor Sextouristen aussprechen. Mit besonderem Interesse wird
die Ordensschwester Nida Viovicente aus Manila erwartet, in deren
Kinderschutzzentrum auch Opfer europäischer Sextouristen Zuflucht
und Hilfe finden. Das komplette
Interview ist hier nachzulesen. |