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In
einem Interview, das im Dezember 2003 in
„Forum Weltkirche“ erschien, wandte sich
der sudanesische Erzbischof Paolino Lukudo Loro auch an die
Menschen in Deutschland und sagte in Hinblick auf eine mögliche
Friedensvereinbarung der Bürgerkriegsparteien im Sudan, dass die
Sudanesen die Deutschen „gerade auch nach der Unterzeichnung eines
Friedensvertrages“ bräuchten und „dass sie uns dann nicht alleine
lassen sollten.“ Bis heute zählen mehr als zwei Millionen Menschen
zu den Opfern des seit 20 Jahren andauernden
Bürgerkrieges. In einer
Initiative zur Beendigung des Krieges hatte die Katholische
Bischofskonferenz des Sudan zusammen mit den anglikanischen
Bischöfen des Landes im August diesen Jahres einen Pastoralbrief
mit dem Titel „Genug ist genug: Der Krieg muss enden“
veröffentlicht. Darin fordern die Bischöfe alle Kriegsparteien auf
anzuerkennen, dass „wir als Sudanesen nicht in der Lage sind,
solange wir auf uns alleine gestellt sind, Frieden zu errichten.
Wir benötigen die Unterstützung von anderen.“ Am 25. September 2003
haben die Bürgerkriegsparteien ein Rahmenabkommen über die
Sicherheitsfragen im Sudan unterzeichnet. „Wir sind sehr froh, dass
es nun zur Unterzeichnung dieses Abkommens gekommen ist“,
kommentierte der Erzbischof das Ergebnis, äußerte zugleich aber
auch Bedenken. Das Abkommen sei lediglich die Vereinbarung zwischen
zwei Parteien, der Regierung und der SPLA (Sudanese People
Liberation Army – Sudanesische Volksbefreiungsarmee), die
sudanesische Bevölkerung habe es sich bisher aber nicht zu eigen
gemacht. Erzbischof Loro
forderte die deutsche Bundesregierung auf, „sich aktiv in den
Friedensprozess einzuschalten und dafür zu
sorgen, dass die Gespräche ein gutes Ende nehmen.“ Außerdem hoffe
er, dass Deutschland sich besonders beim „Wiederaufbau des Sudan,
vor allem was den Aufbau von Verwaltungsstrukturen“ und „die
Ausbildung von Fachleuten angeht“ engagiere. „Deutschland hat große
Erfahrungen, wenn es darum geht, anderen Völkern nach einem Krieg
beim Wiederaufbau und bei der Errichtung neuer Strukturen zu
helfen“, so der Erzbischof. Die internationale
Gemeinschaft rief der Erzbischof dazu auf, „den Sudan zu
unterstützen, damit die Menschen des Sudan einen Weg aus dieser
Situation des Krieges heraus und Friedenslösungen finden können.“
Besonders die Vereinten Nationen seien hier gefordert.
Aber auch nach
der Unterzeichnung eines Friedensabkommens ist in den Augen des
Erzbischofs der Friede noch nicht gesichert. „Die Unterzeichnung
eines Friedensvertrages bedeutet noch längst nicht Frieden“,
erläuterte er. „Die Unterzeichnung wird zunächst einmal höchstens
ein Ende der Kämpfe bedeuten, welche neben all dem Leid eine enorme
Zerstörung verursacht haben.“ Zur Rolle der
sudanesischen Kirche sagte Erzbischof Loro, es werde zu ihrer
vorrangigsten Aufgabe gehören, „die Herzen aus Stein in Herzen aus
Fleisch zu verwandeln. Es geht letztlich darum, eine Kultur des
Krieges in eine Kultur des Friedens und der Versöhnung zu
verwandeln.“ Auf die Frage, wie er die Zukunft des Sudan sehe, gab
sich der Erzbischof zuversichtlich. „Wir glauben, dass die nun
sichtbar werdenden Zeichen wirkliche Zeichen des Friedens sind“,
erklärte er und führte weiter aus, “wir wünschen und hoffen jedoch,
dass es sich um einen Frieden handeln wird, der von Dauer ist und
Bestand hat.“ Das vollständige
Interview, das von Norbert Kößmeier geführt wurde, erschien
im Dezember 2003 in „Forum Weltkirche“ zusammen mit weiteren
Berichten zum Thema Sudan.
Si e können das
Interview auch hier online lesen. |
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