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09.12.2003: Die Täter von Sonja, Tom und Rosario

 

  missio-Tagung: „Kinderschänder vor Gericht“  
 

Über die Möglichkeiten und Hindernisse bei der Strafverfolgung deutscher Kinderschänder im In- und Ausland

 
 

Eine verstärkte Strafverfolgung pädosexueller deutscher Täter im Inland und im Ausland fordert das Internationale Katholische Missionswerk missio in Aachen. „Zwar ist die Verurteilung der Sexualstraftäter Markus Wirtz und Markus Lewendel der konsequenten Arbeit der Polizei und Justiz zu verdanken“, erklärte der Vize-Präsident Armin Ehl am Montag in Aachen,“ aber sobald sich Täter ihre Opfer in Ländern wie Thailand oder den Philippinen suchen, bleiben sie in 99 Prozent der Fälle unentdeckt.“ 

Sicher sei der tragische Fall „Tom und Sonja“ auf Grund der sexuellen Misshandlung in Tateinheit mit Mord besonders brutal und nur mit dem Fall Dutroux zu vergleichen. „Doch alleine der sexuelle Missbrauch von Minderjährigen im Ausland durch schätzungsweise 50.000 bis 200.000 deutsche Sextouristen ist ein Skandal und ein schreckliches Verbrechen, zumal sich fast alle Täter auf freiem Fuß befinden“, so der Vize-Präsident.   

Mit einer Verbesserung der Strafverfolgung beschäftigt sich daher die von missio veranstaltete Fachtagung „Kinderschänder vor Gericht“. Eingeladen sind am 14. und 15. Januar in Berlin Vertreter von Bundesministerien, der Justiz und Polizei sowie Menschenrechtler aus den Philippinen, Sri Lanka, Thailand und Kambodscha. Inhaltlich konzentriert sich die Fachtagung auf die Chancen und Hindernisse bei der Strafverfolgung deutscher Kinderschänder in Südostasien und in Deutschland.    

Aus den Philippinen wird der missio-Projektpartner Pater Shay Cullen zu der Fachtagung mit sachdienlichen Hinweisen im Gepäck anreisen. Der katholische Priester gehört zu den international bekanntesten Kämpfern gegen Kinderprostitution und sexuelle Gewalt. Durch den irischen Missionar wurden unter anderen zwei internationale Fälle bekannt. So machte Pater Shay Cullen auf das Verbrechen an dem philippinischen Mädchen Rosario aufmerksam. Die Elfjährige verstarb bereits vor Jahren an den Folgen eines sexuellen Missbrauchs. Das Verbrechen ist nie aufgeklärt worden. Nach unbestätigten Hinweisen soll Rosario von einem österreichischen Sextouristen vergewaltigt worden sein.    

In dem von Pater Shay Cullen geleiteten Kinderschutzzentrum PREDA lebt die heute 19-Jährige Pia Corvera (r.), deren Fall im Jahre 1996 erstmals in der deutschen Justizgeschichte zu einer Verurteilung eines deutschen Sextouristen führte. Der Täter Thomas Breuer hatte das Kind sexuell missbraucht, konnte sich unter dubiosen Umständen einer Gerichtsverhandlung auf den Philippinen entziehen und wurde erst in Deutschland auf Grund der Aussage von Pia Corvera verurteilt. Weiterhin auf freiem Fuß befindet sich nach Angaben von Pia Covera der Mittäter des Verurteilten, der sich möglicherweise unbehelligt in den Niederlanden aufhält.    

Nach Schätzung der Vereinten Nationen werden zehn Millionen Mädchen und Jungen zu Opfer sexueller Gewalt. „Sie kommen zwar mit dem Leben davon, aber sie haben keine Zukunftschance“, so Otmar Oehring, der Leiter der missio-Fachstelle Menschenrechte und Organisator der Tagung „Kinderschänder vor Gericht“. Nach Schätzungen von Hilfsorganisationen liegt die Lebenserwartung von Kinderprostituierten auf Grund von AIDS, Geschlechtskrankheiten, Gewalt und Drogenmissbrauch bei rund 20 Jahren.      

Dass kaum einer der deutschen Sextouristen, die Minderjährige missbrauchen, vor Gericht kommt, hat nach Einschätzung von Otmar Oehring zahlreiche Gründe. „Unterstützung finden die Beschuldigten nicht selten durch die Botschaften ihrer Heimatländer.“ Durch die Ausstellung eines neuen Reisepasses können sich die Verdächtigen einer Strafverfolgung in Thailand oder auf den Philippinen entziehen. Korruption und Lücken bei der Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden im In- und Ausland führen dazu, dass die meisten Täter entweder gar nicht angeklagt werden oder dass das Verfahren auf Grund der schwierigen Zusammenstellung von Beweisen und Zeugenaussagen eingestellt wird.    

„Die Hilfeschreie der Kinder, die Opfer deutscher Sextouristen sind, werden in Deutschland nicht gehört“, kritisierte Armin Ehl im Vorfeld der Veranstaltung in Berlin. „Mit dieser Fachtagung wollen wir ihnen eine Stimme geben und Lösungsansätze für praktische Probleme bei der Strafverfolgung erörtern.“ 

Anmeldungen zur Tagung bitte an die missio – Fachstelle   Menschenrechte (Kontakt). 

 
   
 
Weitere Informationen bieten Ihnen unsere folgenden Webseiten:
 
 
 

Aktion Schutzengel gegen Sextourismus und Kinderprostitution
400.000 deutsche Männer fliegen Jahr für Jahr in die große weite Welt und wollen nur das eine. Einige Tausend von ihnen schrecken selbst vor Sex mit Kindern nicht zurück. Solche Verbrechen machen wütend. Aber nicht ohnmächtig. missio kämpft seit vielen Jahren gegen Kinderprostitution und Sextourismus.
 

"Kinderschänder vor Gericht"
Über die Möglichkeiten und Hindernisse bei der Strafverfolgung deutscher Kinderschänder im In- und Ausland