Eine verstärkte Strafverfolgung
pädosexueller deutscher Täter im Inland und im Ausland fordert das
Internationale Katholische Missionswerk missio in Aachen. „Zwar ist
die Verurteilung der Sexualstraftäter Markus Wirtz und Markus
Lewendel der konsequenten Arbeit der Polizei und Justiz zu
verdanken“, erklärte der Vize-Präsident Armin Ehl am Montag in
Aachen,“ aber sobald sich Täter ihre Opfer in Ländern wie Thailand
oder den Philippinen suchen, bleiben sie in 99 Prozent der Fälle
unentdeckt.“
Sicher sei
der tragische Fall „Tom und Sonja“ auf Grund der sexuellen
Misshandlung in Tateinheit mit Mord besonders brutal und nur mit
dem Fall Dutroux zu vergleichen. „Doch alleine der sexuelle
Missbrauch von Minderjährigen im Ausland durch schätzungsweise
50.000 bis 200.000 deutsche Sextouristen ist ein Skandal und ein
schreckliches Verbrechen, zumal sich fast alle Täter auf freiem Fuß
befinden“, so der Vize-Präsident. Mit einer
Verbesserung der Strafverfolgung beschäftigt sich daher die von
missio veranstaltete Fachtagung „Kinderschänder vor
Gericht“. Eingeladen sind am 14. und 15. Januar in Berlin
Vertreter von Bundesministerien, der Justiz und Polizei sowie
Menschenrechtler aus den Philippinen, Sri Lanka, Thailand und
Kambodscha. Inhaltlich konzentriert sich die Fachtagung auf die
Chancen und Hindernisse bei der Strafverfolgung deutscher
Kinderschänder in Südostasien und in
Deutschland. Aus den
Philippinen wird der missio-Projektpartner Pater Shay Cullen zu der Fachtagung mit
sachdienlichen Hinweisen im Gepäck anreisen. Der katholische
Priester gehört zu den international bekanntesten Kämpfern gegen
Kinderprostitution und sexuelle Gewalt. Durch den irischen
Missionar wurden unter anderen zwei internationale Fälle bekannt.
So machte Pater Shay Cullen auf das Verbrechen an dem
philippinischen Mädchen Rosario aufmerksam. Die Elfjährige verstarb
bereits vor Jahren an den Folgen eines sexuellen Missbrauchs. Das
Verbrechen ist nie aufgeklärt worden. Nach unbestätigten Hinweisen
soll Rosario von einem österreichischen Sextouristen vergewaltigt
worden sein. In dem von
Pater Shay Cullen geleiteten Kinderschutzzentrum PREDA lebt die heute
19-Jährige Pia Corvera (r.), deren Fall im Jahre 1996 erstmals in der
deutschen Justizgeschichte zu einer Verurteilung eines deutschen
Sextouristen führte. Der Täter Thomas Breuer hatte das Kind sexuell
missbraucht, konnte sich unter dubiosen Umständen einer
Gerichtsverhandlung auf den Philippinen entziehen und wurde erst in
Deutschland auf Grund der Aussage von Pia Corvera verurteilt.
Weiterhin auf freiem Fuß befindet sich nach Angaben von Pia Covera
der Mittäter des Verurteilten, der sich möglicherweise unbehelligt
in den Niederlanden aufhält. Nach
Schätzung der Vereinten Nationen werden zehn Millionen Mädchen und
Jungen zu Opfer sexueller Gewalt. „Sie kommen zwar mit dem Leben
davon, aber sie haben keine Zukunftschance“, so Otmar Oehring, der
Leiter der missio-Fachstelle Menschenrechte und Organisator der
Tagung „Kinderschänder vor Gericht“. Nach Schätzungen von
Hilfsorganisationen liegt die Lebenserwartung von
Kinderprostituierten auf Grund von AIDS, Geschlechtskrankheiten,
Gewalt und Drogenmissbrauch bei rund 20
Jahren. Dass kaum
einer der deutschen Sextouristen, die Minderjährige missbrauchen,
vor Gericht kommt, hat nach Einschätzung von Otmar Oehring
zahlreiche Gründe. „Unterstützung finden die Beschuldigten nicht
selten durch die Botschaften ihrer Heimatländer.“ Durch die
Ausstellung eines neuen Reisepasses können sich die Verdächtigen
einer Strafverfolgung in Thailand oder auf den Philippinen
entziehen. Korruption und Lücken bei der Zusammenarbeit zwischen
den Strafverfolgungsbehörden im In- und Ausland führen dazu, dass
die meisten Täter entweder gar nicht angeklagt werden oder dass das
Verfahren auf Grund der schwierigen Zusammenstellung von Beweisen
und Zeugenaussagen eingestellt wird. „Die
Hilfeschreie der Kinder, die Opfer deutscher Sextouristen sind,
werden in Deutschland nicht gehört“, kritisierte Armin Ehl im
Vorfeld der Veranstaltung in Berlin. „Mit dieser Fachtagung wollen
wir ihnen eine Stimme geben und Lösungsansätze für praktische
Probleme bei der Strafverfolgung erörtern.“ Anmeldungen
zur Tagung bitte an die missio – Fachstelle
Menschenrechte (Kontakt). |