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Herr Erzbischof, im August hat die Katholische Bischofskonferenz des Sudan zusammen mit den anglikanischen Bischöfen des Landes einen Pastoralbrief mit dem Titel „Genug ist genug: Der Krieg muss enden“ veröffentlicht. Was war der Auslöser für diesen Brief?
Ein Grund für diesen Brief ist zunächst einmal darin zusehen, dass wir bereits seit sehr langer Zeit mit ansehen müssen, dass Krieg geführt wird. Sowohl die Regierung als auch die SPLA (Sudanese People Liberation Army – Sudanesische Volksbefreiungsarmee) behaupten, dem sudanesischen Volk Frieden zu bringen. Doch dieser Frieden sollte durch Krieg und Waffengewalt errichtet werden. Für die Menschen bedeutete dies ein unsägliches Leid. Bis heute zählen mehr als zwei Millionen Menschen zu den Opfern des seit 20 Jahren andauernden Bürgerkrieges. Vor allem im Süden des Landes sind zahlreiche Opfer zu beklagen. Zudem mussten wir feststellen, dass es zwar in der Vergangenheit verschiedene Verhandlungsinitiativen über einen möglichen Frieden gegeben hat, die Gespräche jedoch bis zur Veröffentlichung unseres Briefes nichts konkretes hervorgebracht haben. Es schien uns, dass diese Gespräche niemals ein Ende finden. Die Bevölkerung jedoch ist sehr müde vom Krieg, sie will endlich Frieden. Als Bischöfe und Kirchenführer haben wir während der gesamten Zeit an der Seite der Menschen gestanden, und wir kennen sehr genau ihre Leiden, ihre Ängste und Sehnsüchte. Unser Brief reflektiert somit ganz einfach die Situation in der wir uns befunden haben, eine Situation, die bereits seit langer Zeit besteht, ohne dass eine Lösung gefunden worden ist. Aber nicht nur, dass keine Lösung gefunden worden ist, die Situation hat sich immer mehr verschlimmert, noch mehr Leiden und noch mehr Tote. Deshalb ruft unser Brief die sudanesische Bevölkerung, die Regierung und die SPLA dazu auf, endlich wahrzunehmen und anzuerkennen, dass wir als Sudanesen nicht in der Lage sind, solange wir auf uns alleine gestellt sind, Frieden zu errichten. Wir benötigen die Unterstützung von anderen. Wir rufen deshalb die internationale Gemeinschaft auf, den Sudan zu unterstützen, damit die Menschen des Sudan einen Weg aus dieser Situation des Krieges heraus und Friedenslösungen finden können. Als wir, die katholischen und anglikanischen Bischöfe des Sudan, im August in Uganda zusammenkamen, reflektierten wir die aktuelle Situation. Wir erfuhren von den Fortschritten der aktuellen Friedensgespräche in Kenia. Gleichzeitig erhielten wir jedoch auch Informationen darüber, dass der Abbruch der Gespräche erneut bevor stünde und die Führer der Verhandlungsparteien noch nicht wirklich bereit seien, sich für Frieden zu engagieren. Der Pastoralbrief ist deshalb von uns zu einem Zeitpunkt verfasst worden, als die Führer ihre Spielchen gespielt haben; sie haben Witze gemacht und nicht ernsthaft über Frieden verhandelt. Deshalb haben die Bischöfe gesagt „Genug ist genug!“ , denn über Frieden kann nur wirklich ernsthaft gesprochen werden.
Am 25. September haben die Bürgerkriegsparteien ein Rahmenabkommen über die Sicherheitsfragen im Sudan unterzeichnet. Wie schätzen Sie dieses Abkommen im Hinblick auf den Friedensprozess ein? Die Unterzeichnung dieses Abkommens ist sicherlich ein wichtiger Schritt nach vorne. Wir sind sehr froh, dass es nun zur Unterzeichnung dieses Abkommens gekommen ist. Zugleich haben wir jedoch auch einige Bedenken. Denn bisher ist es lediglich die Vereinbarung zwischen der Regierung und der SPLA. Letztlich ist es ein Frieden, der nur von zwei Vertretern unterzeichnet wird. Dies jedoch ist keine stabile Grundlage für Frieden. Es stellt einen Frieden dar, den die sudanesische Bevölkerung sich bisher nicht zu eigen gemacht hat. Sie fordern also die Beteiligung der Zivilgesellschaft an den Friedensverhandlungen ein, damit ein Frieden erzielt werden kann, der auch von Bestand ist? Ja, auf jeden Fall; aus unserer Sicht sollte die Zivilgesellschaft auf die ein oder andere Art und Weise in die Friedensgespräche einbezogen werden. Zugleich fordern wir aber auch, die Mitglieder anderer bewaffneter Gruppierungen mit einzubeziehen, denn sie sind Teil der sich bekämpfenden Parteien. Entweder bekämpfen sie die Regierung oder die SPLA. Man muss sich um diese Gruppen kümmern. Denn wenn ein Friedensvertrag erreicht werden sollte und die Regierungstruppen als auch die Mitglieder der SPLA in irgendeiner Weise etwas zugesprochen bekommen, diese anderen Gruppierungen, die ja auch kämpfen, jedoch außen vor bleiben, dann haben wir ein ernstes Problem. Es gab bereits Versuche unsererseits, die SPLA und die anderen bewaffneten Gruppierungen zusammenzubringen, aber leider sind diese Versuche gescheitert. Wie beurteilen Sie das Rahmenabkommen hinsichtlich der Frage Nordugandas? Im Paragraph 7 heißt es ja, dass es zukünftig außer der SPLA und den Regierungstruppen keinerlei bewaffnete Gruppierungen im Sudan geben darf. Eine der bewaffneten Gruppen, die im Südsudan ihren Stützpunkt hat und bisher ihr Unwesen mit immer neuen Attacken auf die Bevölkerung Nordugandas treibt, ist die Lord Resistance Army (LRA). Was die LRA angeht, so muss ich betonen, dass die Mitglieder keine Sudanesen sind. Sie kommen aus Uganda. Ein Teil ihrer Mitglieder jedoch operiert auf sudanesischem Terrain. Wenn nun das Rahmenabkommen festlegt, dass der Sudan zukünftig einzig und allein unter der Kontrolle der SPLA bzw. der Regierungstruppen steht, dann wird es auch kein Gebiet mehr geben, dass nicht von diesen beiden kontrolliert wird. Die LRA wird ihr Rückzugsgebiet verlieren. Damit aber wird die LRA in Schwierigkeiten kommen, denn die Regierung Ugandas wird alles versuchen, der Kämpfer der LRA habhaft zu werden. Wenn also das nun unterzeichnete Rahmenabkommen auf einer guten Grundlage basiert und entsprechend ausgeführt wird, dann bedeutet dies das Ende der LRA. Heißt dies, dass das Schicksal Nordugandas von einem möglichen Erfolg des Friedensprozesses im Sudan abhängt? Wir kennen die Situation im Norden Ugandas sehr genau. Diese Region grenzt ja direkt an den Süden des Sudan. Wir haben als Bischöfe des Sudan sehr deutlich betont, dass unserer Meinung nach eine Lösung für den Norden Ugandas zunächst Frieden für den Sudan erfordert, denn die Verantwortlichen für die Situation in Norduganda befinden sich im Sudan. Da es bisher keinen Frieden für den Sudan gegeben hat, heißt dies, dass die LRA ungestört auch weiterhin ihre Grausamkeiten an der Bevölkerung des Nordens Ugandas verüben kann. Zugleich haben wir bereits mehrfach gefordert, dass die Regierung des Sudan und Ugandas wirklich ernsthafte Gespräche über eine Lösung für Norduganda führen und dabei auch die SPLA einbeziehen sollten, denn diese drei Mächte sind es, die praktisch die LRA kontrollieren könnten. Erzbischof Jean Baptist Odama aus Gulu in Norduganda ist ein guter Freund von uns. Er hat Anfang September die internationale Gemeinschaft angefleht, der Bevölkerung des Norden Ugandas zu Hilfe zu kommen (vgl. Forum Weltkirche 6/2003, S. 6). Durch seine flehentliche Bitte macht er die internationale Gemeinschaft darauf aufmerksam, dass es wirklich Probleme im Norden Ugandas gibt, deren man sich annehmen muss. Die Kämpfer der LRA agieren wie Terroristen, sie scheinen einzig und allein zerstören zu wollen. Sie zerstören das eigene Volk auf brutalste Art und Weise. Die internationale Gemeinschaft ist eingefordert, um dieser Situation ein Ende zu bereiten. Vorausgesetzt die Friedensverhandlungen im Sudan finden einen erfolgreichen Abschluss. Welche Rolle würde den Vereinten Nationen zukommen? Würde ein dauerhafter Frieden ohne die Vereinten Nationen errichtet werden können? Was die Rolle der Vereinten Nationen angeht, so haben wir als Bischöfe die Vereinten Nationen immer wieder in direkten Gespräche mit führenden Vertretern angesichts der Situation aufgerufen, sich in einem Friedensprozess zu engagieren. Doch trotzdem wurden die Friedensverhandlungen selbst vor einigen Jahren an IGAD (Inter-Gonvernmental Authority on Development – Zwischenstaatliche Entwicklungsbehörde) delegiert, dessen Vorsitz Kenia innehat. Ich bin der Meinung, dass IGAD selbst nun diese Frage stellen und entsprechend die UN auch einbeziehen müsste. Meiner Meinung nach gibt es auch weiterhin die dringende Notwendigkeit, dass die internationale Gemeinschaft dem Friedensprozess im Sudan mehr Aufmerksamkeit widmet, sich einschaltet und im Rahmen des Friedensprozesses engagiert. Innerhalb der Friedensgespräche gibt es Fragestellungen, Aussagen und Diskussionspunkte, die unklar sind. Allein aus diesem Grund müssten die Vereinten Nationen ein großes Interesse daran haben, die Gespräche zu beobachten und zu begleiten. Die Erfahrungen der UN könnten dabei behilflich sein, die Gespräche nicht abbrechen zu lassen und sie in die richtige Richtung zu lenken. Es gibt aber einen weiteren wichtigen Aspekt, den es zu beachten gilt und der die UN direkt betrifft: Die Unterzeichnung eines Friedensvertrages bedeutet noch längst nicht Frieden. Die Unterzeichnung wird zunächst einmal höchstens ein Ende der Kämpfe bedeuten, welche neben all dem Leid eine enorme Zerstörung verursacht haben. Was wird dann aber nach dem Krieg kommen? Wie soll ein neues Leben angesichts dieser massiven Zerstörungen begonnen werden? Natürlich wird sich die Kirche direkt nach Beendigung des Krieges insbesondere im Bereich von Versöhnung engagieren. Aber das wird nicht ausreichen. Die UN ist aufgerufen, sich gerade auch nach einem Friedensvertrag im Sudan zu engagieren, um den Menschen dabei behilflich zu sein, nach mehr als 20 Jahren Krieg und Zerstörung ein neues Leben zu beginnen. Die Unterstützung und Hilfe der internationalen Gemeinschaft wird nach Beendigung des Krieges in vielfacher Hinsicht dringend benötigt werden, um eine neue Gesellschaft zu fördern, insbesondere im Süden des Sudan. Am 28.September ist Erzbischof Gabriel Zubeir Wako aus Khartum zum Kardinal ernannt worden. Was bedeutet dies für die Kirche des Sudan, gerade auch in dieser politisch schwierigen und zugleich entscheidenden Zeit? Die Ernennung von Erzbischof Zubeir ist mit Sicherheit als ein sehr positives Signal zu werten, sowohl für die katholische Kirche als auch für die Menschen des Sudan. Es ist der erste Kardinal in der Geschichte der katholischen Kirche des Sudan überhaupt. Zudem geschieht die Ernennung zu einem Zeitpunkt, als die ersten Früchte der Friedensverhandlungen ans Licht kommen. Es freut uns außerdem, dass die Ernennung zusammenfällt mit der Heiligsprechung des ersten Bischofs des Sudan, nämlich Daniel Comboni. Für die Kirche selbst bedeutet die Ernennung von Gabriel Zubeir Wako zum Kardinal eine große Ermutigung. Der Papst anerkennt durch diese Ernennung die positiven Entwicklungen, die die Kirche im Sudan trotz aller Schwierigkeiten genommen hat. Politisch gesehen sollte dies auch einen Schub für die Zivilgesellschaft bedeuten. Die Regierung wird wahr nehmen und respektieren, dass sie mit Kardinal Gabriel Zubeir Wako nun jemanden vor sich hat, der in der Gruppe der Bischöfe und auf Ebene der Weltkirche eine besondere Stellung inne hat. Natürlich sind dabei die Grenzen zu sehen, mit denen die Kirche im Sudan konfrontiert ist. Vielleicht mag die Ernennung einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dem Volk des Sudan wirklich Frieden zu bringen. Umso mehr, da mit Erzbischof Gabriel Zubeir Wako ein Sudanese zum Kardinal ernannt wird, der sich stets für den Frieden eingesetzt hat. Die wichtigste Stimme wird jedoch auch weiterhin die gemeinsame Stimme der katholischen und anglikanischen Bischöfe bleiben. Nur gemeinsam werden wir Gehör finden, wie dies auch der Brief „Genug ist genug“ gezeigt hat. Welche Rolle kommt der katholischen Kirche nach einem Friedensschluss zu? Mit Fug und Recht kann ich sagen, dass die Kirche bisher in allen Bereichen involviert war, was das Leben der Menschen betrifft, sowohl in geistlicher als auch materieller Hinsicht. Denn die Menschen im Sudan haben während des Krieges sehr viel erleiden müssen. Als Kirche ist es unsere Aufgabe, uns insbesondere um die Seelsorge der Menschen zu kümmern. In Kriegssituationen, aber auch in Nachkriegssituationen kommt diesem Dienst eine besondere Bedeutung zu. Was die materiellen Fragen angeht, wäre eigentlich zunächst einmal der Staat, d. h. die Regierung zuständig. Unglücklicherweise wurden die Menschen während des Krieges jedoch von der Regierung in praktisch allen Fragen allein gelassen. Dies ist auch der Grund, weshalb sich vor allem im Süden die Menschen an die Kirche gewandt haben, sich in Kirchen versammelt haben oder um Kirchen herum angesiedelt haben. Deshalb haben wir als Bischöfe uns auch immer wieder an Hilfsorganisationen gewandt, um diesen Menschen, die Furchtbares erlitten haben, zu helfen. Wenn es wirklich zum Friedensvertrag kommt, wird es unsere Aufgabe als Kirche sein, sich in erster Linie für die Versöhnung zu engagieren. Der Versöhnung wird eine besondere Bedeutung zu kommen, denn über mehr als 20 Jahre mussten die Menschen den furchtbaren Krieg mit allen Konsequenzen ertragen und erleiden, so dass heute ein großer Hass im Herzen vieler Menschen zu finden ist. Es wird deshalb zu den vorrangigsten Aufgaben der Kirche gehören, die Herzen aus Stein in Herzen aus Fleisch zu verwandeln. Es geht letztlich darum, eine Kultur des Krieges in eine Kultur des Friedens und der Versöhnung zu verwandeln, wie es auch unser Brief „Genug ist genug“ deutlich betont. Natürlich wird die Kirche in der einen oder anderen Weise auch mit materiellen Fragen konfrontiert sein, und wir werden zumindest versuchen, die Gesellschaft hinsichtlich dieser Fragen anzuleiten. Denn wir mussten ja bereits während des Krieges die Erfahrung machen, dass selbst internationale Hilfslieferungen nicht bei den Bedürftigen, die in Flüchtlingslagern oder sonst wo lebten, ankamen. Zugleich hat die Kirche durch die Caritas, die es in jeder Diözese gibt, ein eigenes Netzwerk, um den Bedürftigsten zur Seite zu stehen. Dies mit Hilfe der Unterstützung internationaler Organisationen. Herr Erzbischof, ganz zum Schluss die Frage an Sie: Wie sehen Sie die Zukunft des Sudan? Als ein Mann des Glaubens sehe ich die aktuellen Entwicklungen zunächst einmal sehr positiv. Seit nun mehr 24 Jahre bin ich Bischof. Von diesen 24 Jahren musste ich mehr als 20 Jahre lang den Krieg im Sudan erleben, mit all den furchtbaren Geschehnissen und Gräuel. Wir als Bischöfe sind alle traumatisiert, aber nicht nur die Bischöfe, sondern viele Menschen im Sudan, insbesondere kirchliche Mitarbeiter. Denn es war die Kirche, die sich der Menschen mit all ihren Leiden und Nöten angenommen hat. Diese 20 Jahre bedeuten 20 Jahre des Leidens. Wir glauben, dass die nun sichtbar werdenden Zeichen wirkliche Zeichen des Friedens sind. Wir wünschen und hoffen jedoch, dass es sich um einen Frieden handeln wird, der von Dauer ist und Bestand hat. Sicherlich wird es meiner Meinung nach noch einige Schwierigkeiten und schwierige Situationen geben, die es zu bestehen gilt, um wirklichen Frieden und ein neues Leben im Sudan zu errichten. Aber ich denke, es gibt eine große Hoffnung, was die Zukunft unseres Landes betrifft. Wir können uns auf den Weg machen, gerade auch im Süden. Das sudanesische Volk sollte die Möglichkeit bekommen, die Ölvorkommen zu nutzen, um gemeinsam mit Freunden das Land wieder aufzubauen und zu errichten. Wie Sie feststellen, habe ich eine positive Vision von einem zukünftigen Sudan. Ein Land, das Frieden finden und ein neues Leben errichten wird, ein Land, dessen Bewohner sich fortan ohne Krieg entwickeln werden können. Das ist meine Hoffnung und meine Vision von der Zukunft. Und dafür setzen wir uns ein. Erlauben Sie mir aber zum Abschluss auch ein paar Worte an die Menschen in Deutschland. Die deutsche Kirche hat bei uns ein sehr hohes Ansehen aufgrund ihrer Großzügigkeit und ihr Engagement. Insbesondere missio und Misereor haben uns während all der Jahre sehr intensiv unterstützt und der Kirche des Sudan trotz der schwierigen Situation geholfen. Ich kann sagen, dass diese beiden Organisationen wirklich den Ärmsten der Armen im Sudan geholfen haben. Mit Hilfe von missio war es zudem möglich, die notwendigen Strukturen unserer Kirche zu errichten. Aufgrund dessen waren wir in der Lage, die Menschen zu erreichen und an ihrer Seite zu sein. Und dafür sind wir sehr dankbar. Zugleich jedoch möchte ich den Menschen in Deutschland sagen, dass wir sie gerade auch nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrages brauchen und dass sie uns dann nicht alleine lassen sollten. Die deutsche Regierung rufe ich dazu auf, sich aktiv in den Friedensprozess einzuschalten und dafür zu sorgen, dass die Gespräche ein gutes Ende nehmen. Zum anderen sollte sie sich insbesondere beim Wiederaufbau des Sudan, vor allem was den Aufbau von Verwaltungsstrukturen, was die Ausbildung von Fachleuten angeht, engagieren. Dieser Frage wird eine hohe Bedeutung zukommen, insbesondere im Süden, wo es kaum Strukturen gibt. Immer nur gab es Krieg, Krieg und nochmals Krieg, und wir sehen nur Soldaten und nochmals Soldaten. Wirkliche Verwaltungsstrukturen sind kaum vorhanden. Es wird ein neuer Kampf sein, eine Kultur des Krieges in eine Kultur des Friedens zu verwandeln. Versöhnung wird eine wesentliche Rolle in diesem Prozess zu kommen. Aber Versöhnung allein reicht nicht aus. Deutschland hat große Erfahrungen, wenn es darum geht, anderen Völkern nach einem Krieg beim Wiederaufbau und bei der Errichtung neuer Strukturen zu helfen. Von diesen Erfahrungen sollte auch der Sudan profitieren können. Deshalb plädiere ich dafür, dass sich Deutschland die Sorgen und Anliegen des sudanesischen Volkes zu eigen machen sollte. Herzlichen Dank, Erzbischof Paolino Lukudu Loro, für dieses Gespräch. Norbert Kößmeier
(Interview & Foto) |
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