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  • missio mahnt Verbesserungen in der Strafverfolgung an.
  • Kleine Seelen – große Gefahr: Ein offener Workshop

     

  • 04.06.2003: Sextourismus - Pässe für die Täter

     

      missio mahnt Verbesserungen in der Strafverfolgung an.  
     

    Workshop mit Betroffenen aus den Zielländern und deutschen Behörden für Januar 2004 geplant

     
     

    400.000 deutsche Sextouristen fliegen jährlich nach Thailand, Sri Lanka und andere Länder des Südens. Kinder jeder Altersstufe stehen ihnen zur Verfügung. Den Grund für die alarmierende Zunahme der Kinderprostitution sieht Kevin Balthazaar, Koordinator der missio Partnerorganisation P.E.A.C.E (Protecting Environment and Children Everywhere) auf Sri Lanka, nicht zuletzt in den sehr begrenzten Möglichkeiten der Strafverfolgung. In Sri Lanka sind nach Regierungsangaben annähernd 30.000 Kinder Opfer des Sextourismus. 

    Balthazaar, der auf Einladung der missio Fachstelle Menschenrechte auf dem Ökumenischen Kirchentag die Arbeit seiner Organisation vorstellte, beschrieb bei einem Interview in Aachen ein gängiges Prozedere: Ein europäischer Mann wird mit einem fünfjährigen Jungen in eindeutiger Situation gestellt. Der Mann wird festgenommen, muss seinen Pass abgeben und kommt gegen Kaution frei. Seine Botschaft ob deutsch, norwegisch oder französisch stellt ihm einen neuen Pass aus, ohne die Hintergründe zu überprüfen. Der Mann verlässt ungestraft das Land. Einmal im Heimatland, verlaufen sich seine Spuren.   

    Mittlerweile hat sich der Markt perfektioniert: Im Internet kann sich der Pädophile schon vor seiner Reise ein Kind auswählen. Die Möglichkeiten des Opferschutzes liegen hier noch weit hinter jenen des Täters zurück. Da in Deutschland bereits der Aufruf einer kinderpornographischen Website einen Strafbestand darstellt, können Organisationen, die sich wie missio gegen Sextourismus und für die Menschenrechte engagieren, entsprechendes Material nicht selbst recherchieren. Die zuständigen Behörden jedoch sind überfordert.

    Erster Adressat zur Bekämpfung von Sextourismus und Kinderprostitution ist das öffentliche Bewusstsein. Im Rahmen der Aktion Schutzengel appelliert missio etwa an Reiseveranstalter und die meistfrequentierten Fluglinien, sich in Prospekten und Inflight Videos klar gegen Sextourismus auszusprechen und die Kooperation mit Hotels, die entsprechende Gäste zulassen, zu beenden. Für Januar 2004 plant missio eine Konferenz von Vertretern der Zielländer sowie der deutschen Polizei und Justiz. Dass ein erster Termin in diesem Jahr - wegen Vorbehalten von deutscher Seite abgesagt werden musste, zeigt die hohe Sensibilität des Themas.

    In vielen Fällen wird kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern in Staaten Südostasiens deutschen Staatsbürgern zur Last gelegt. Bei der Strafverfolgung solcher Taten ergeben sich in den Tatländern, aber auch in der Bundesrepublik Deutschland, zahlreiche praktische Probleme, die nicht selten die tatsächliche Strafverfolgung erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen kommentiert Dr. Otmar Oehring, Leiter der missio Fachstelle Menschenrechte, die Anliegen des Workshops, der für den 14. und 15. Januar 2004 in Berlin geplant ist. Bei diesem Workshop wird den Interessierten aus Politik, Polizei und Justiz die Möglichkeit zum Austausch mit Fachleuten aus Ländern Südostasiens geboten. Oehring: Wir erhoffen uns, dass dieser Austausch unter Fachleuten dazu beiträgt, manche praktischen Probleme, die die Strafverfolgung entsprechender Taten erschweren, mittelfristig zu lösen.

    Auf Sri Lanka bietet P.E.A.C.E landesweit Seminare zu den Mechanismen und Bekämpfungsmöglichkeiten der Kinderprostitution an. Sie richten sich an Lehrer, Polizisten, Richter, Gesundheitshelfer, die Touristikbranche und staatliche Autoritäten aber auch an Eltern. Wer einen Fall wahrnimmt, kann sich direkt an die Organisation wenden. Alle weiteren Schritte werden von P.E.A.C.E -Mitarbeitern eingeleitet. Der Vorteil: Die Betroffenen sind nicht der Willkür der häufig von Tätern geschmierten Polizei ausgesetzt.  

    Ursache von Kinderprostitution ist die Armut. P.E.A.C.E engagiert sich daher mit Unterstützung von missio nicht nur in der Täterverfolgung, sondern auch in der Prävention: Gefährdete Kinder und Jugendliche werden in einjährigen Kursen zu Schneidern, Köchen oder Mechanikern ausgebildet mit der Chance, sich eigenständige Existenzen aufzubauen und so dem Teufelskreis von Armut und Prostitution zu entkommen.

    Kevin Balthazaar: Was wir bisher erreicht haben, macht uns Hoffnung für die Zukunft. Die eigentliche Tragödie jedoch ist die der Kinder, die bereits zu Opfern wurden: Würde ihnen auch nur ein Bruchteil des Interesses zukommen, das die Täter genießen, so hätten sie vielleicht die Chance, das Erlebte zu verkraften.

    Weitere Informationen:
    missio-Fachstelle Menschenrechte
    Dr. Otmar Oehring (Kontakt)
     

     
       
     
    Weitere Informationen bieten Ihnen unsere folgenden Webseiten:
     
     
     

    "Kinderschänder vor Gericht"
    Über die Möglichkeiten und Hindernisse bei der Strafverfolgung deutscher Kinderschänder im In- und Ausland
     

    Kevin Balthazaar (Sri Lanka)
    7 Bilder mit Herrn Kevin Balthazaar (Sri Lanka), Koordinator der missio Partnerorganisation P.E.A.C.E (Protecting Environment and Children Everywhere). - Klicken Sie auf der nachfolgenden Seite auf das kleine Vorschaubild um es in der Originalgröße angezeigt zu bekommen. Downloaden Sie das Bild dann mit einem Klick auf die rechte Maustaste und wählen Sie dann "Bild speichern unter" oder "Grafik speichern unter" oder ähnliches (hängt vom verwendeten Browser ab!).
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      Kleine Seelen – große Gefahr: Ein offener Workshop  
     

    missio Projektpartner Kevin Balthasar prangert Folgen der Kinderprostitution an

     
     

    Wie groß die Gefahr für eine Kinderseele ist, am Erlebten zu zerbrechen, dies machte Kevin Balthasar, missio-Projektpartner und zuständig für die Opferarbeit im Dunstkreis von Sextourismus und Kinderprostitution auf Sri Lanka, den über 200 gebannten Zuhörern des gestrigen Workshops am Beispiel der Betreuung von traumatisierten Kindern deutlich. Belastend sei für die Kinder nicht zuletzt die Täterverfolgung denn hierfür seien ihre Zeugenaussagen erforderlich. So nähmen viele lieber Schweigegeld aus Täterhand entgegen was für uns als zynischer Obulus anmute, bedeute hier nicht selten einen Monatslohn.
    Der Workshops zum Thema Sextourismus und Kinderprostitution war eine gemeinsame Veranstaltung von missio und anderen Hilfswerken. Mit brennenden Fragen wie jener nach den Auswirkungen der Globalisierung auf die Kinderprostitution gingen Vortragende und Zuhörer sofort in medias res. Zynisch wie alarmierend zugleich etwa die Erkenntnis, dass die erleichterten Kommunikations- und Handelsverbindungen nicht etwa mehr Schutz, sondern eine größere Gefährdung von Kindern mit sich brachten. 
    Öffentliches Bewusstsein schaffen dass dies ein erster entscheidender Schritt zur Veränderung ist, zeigten Vertreter von ECPAT auf, eines weltweiten Zusammenschlusses von Nichtregierungsorganisationen gegen Kinderprostitution, dem auch missio angehört. Ein ganz praktisches Beispiel ist die Verbreitung eines von ECPAT entwickelten Verhaltenskodexes in Zusammenarbeit mit der Tourismusindustrie: die Verbannung von Sextouristen aus Pauschalhotels, Aufrufe in Reiseprospekten gegen Sextourismus oder inflight Videos zum Thema auf den Hauptfluglinien großer Reiseveranstalter sind nur einige der empfohlenen Maßnahmen. 
    So wichtig jedoch das öffentliche Bewusstsein ist ohne politische Handlungsebene bleibt die Hoffnung auf wirksame Eindämmung der Kinderprostitution nicht viel mehr als ein frommer Wunsch. Der Mahnung, dass hier noch ein erheblicher Handlungsbedarf besteht, konnte sich letztlich auch die anwesende Staatssekretärin im Familienministerium, Christel Riemann-Hanewinkel nicht verschließen.