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400.000 deutsche Sextouristen fliegen jährlich nach Thailand, Sri Lanka und andere Länder des Südens. Kinder jeder Altersstufe stehen ihnen zur Verfügung. Den Grund für die alarmierende Zunahme der Kinderprostitution sieht Kevin Balthazaar, Koordinator der missio Partnerorganisation P.E.A.C.E (Protecting Environment and Children Everywhere) auf Sri Lanka, nicht zuletzt in den sehr begrenzten Möglichkeiten der Strafverfolgung. In Sri Lanka sind nach Regierungsangaben annähernd 30.000 Kinder Opfer des Sextourismus.
Balthazaar, der auf Einladung der missio Fachstelle Menschenrechte auf dem Ökumenischen Kirchentag die Arbeit seiner Organisation vorstellte, beschrieb bei einem Interview in Aachen ein gängiges Prozedere: Ein europäischer Mann wird mit einem fünfjährigen Jungen in eindeutiger Situation gestellt. Der Mann wird festgenommen, muss seinen Pass abgeben und kommt gegen Kaution frei. Seine Botschaft ob deutsch, norwegisch oder französisch stellt ihm einen neuen Pass aus, ohne die Hintergründe zu überprüfen. Der Mann verlässt ungestraft das Land. Einmal im Heimatland, verlaufen sich seine Spuren. Mittlerweile hat sich der Markt perfektioniert: Im Internet kann sich der Pädophile schon vor seiner Reise ein Kind auswählen. Die Möglichkeiten des Opferschutzes liegen hier noch weit hinter jenen des Täters zurück. Da in Deutschland bereits der Aufruf einer kinderpornographischen Website einen Strafbestand darstellt, können Organisationen, die sich wie missio gegen Sextourismus und für die Menschenrechte engagieren, entsprechendes Material nicht selbst recherchieren. Die zuständigen Behörden jedoch sind überfordert. Erster Adressat zur Bekämpfung von Sextourismus und Kinderprostitution ist das öffentliche Bewusstsein. Im Rahmen der Aktion Schutzengel appelliert missio etwa an Reiseveranstalter und die meistfrequentierten Fluglinien, sich in Prospekten und Inflight Videos klar gegen Sextourismus auszusprechen und die Kooperation mit Hotels, die entsprechende Gäste zulassen, zu beenden. Für Januar 2004 plant missio eine Konferenz von Vertretern der Zielländer sowie der deutschen Polizei und Justiz. Dass ein erster Termin in diesem Jahr - wegen Vorbehalten von deutscher Seite abgesagt werden musste, zeigt die hohe Sensibilität des Themas.
In vielen Fällen wird kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern in Staaten Südostasiens deutschen Staatsbürgern zur Last gelegt. Bei der Strafverfolgung solcher Taten ergeben sich in den Tatländern, aber auch in der Bundesrepublik Deutschland, zahlreiche praktische Probleme, die nicht selten die tatsächliche Strafverfolgung erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen kommentiert Dr. Otmar Oehring, Leiter der missio Fachstelle Menschenrechte, die Anliegen des Workshops, der für den 14. und 15. Januar 2004 in Berlin geplant ist. Bei diesem Workshop wird den Interessierten aus Politik, Polizei und Justiz die Möglichkeit zum Austausch mit Fachleuten aus Ländern Südostasiens geboten. Oehring: Wir erhoffen uns, dass dieser Austausch unter Fachleuten dazu beiträgt, manche praktischen Probleme, die die Strafverfolgung entsprechender Taten erschweren, mittelfristig zu lösen. Auf Sri Lanka bietet P.E.A.C.E landesweit Seminare zu den Mechanismen und Bekämpfungsmöglichkeiten der Kinderprostitution an. Sie richten sich an Lehrer, Polizisten, Richter, Gesundheitshelfer, die Touristikbranche und staatliche Autoritäten aber auch an Eltern. Wer einen Fall wahrnimmt, kann sich direkt an die Organisation wenden. Alle weiteren Schritte werden von P.E.A.C.E -Mitarbeitern eingeleitet. Der Vorteil: Die Betroffenen sind nicht der Willkür der häufig von Tätern geschmierten Polizei ausgesetzt. Ursache von Kinderprostitution ist die Armut. P.E.A.C.E engagiert sich daher mit Unterstützung von missio nicht nur in der Täterverfolgung, sondern auch in der Prävention: Gefährdete Kinder und Jugendliche werden in einjährigen Kursen zu Schneidern, Köchen oder Mechanikern ausgebildet mit der Chance, sich eigenständige Existenzen aufzubauen und so dem Teufelskreis von Armut und Prostitution zu entkommen. Kevin Balthazaar: Was wir bisher erreicht haben, macht uns Hoffnung für die Zukunft. Die eigentliche Tragödie jedoch ist die der Kinder, die bereits zu Opfern wurden: Würde ihnen auch nur ein Bruchteil des Interesses zukommen, das die Täter genießen, so hätten sie vielleicht die Chance, das Erlebte zu verkraften. Weitere Informationen: missio-Fachstelle Menschenrechte
Dr. Otmar Oehring (Kontakt) |
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