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Viel ist in diesen Tagen von der „Ökumene der Profile“ die Rede, wenn es darum geht, die ökumenische Gesprächslage zu charakterisieren. Zum Profil der katholischen Kirche gehört ihr Selbstverständnis als Weltkirche. Eine einzelne Gemeinde besteht nie aus und für sich allein. Sie lebt in und aus der Gemeinschaft mit allen anderen Gemeinden, mit der jeweiligen Ortskirche und mit der Weltkirche. Diesen Blick über den eigenen Kirchturm feiern wir in jeder Eucharistiefeier. Etwas von der Faszination der weltumspannenden Einheit unserer Kirche können wir spüren, wenn wir im Urlaub oder auf Reisen in einer uns fremden Kultur und Sprache die Eucharistie mitfeiern. Auch wer kein Wort der Liturgie versteht, erfährt warum wir uns als Christen Schwestern und Brüder nennen. Die gemeinsame kirchliche Tradition verbindet – über alle Unterschiede hinweg. Doch wo wird diese katholische Weite und Zusammengehörigkeit in unserem Alltag erfahrbar? Wo können wir spüren, was es bedeutet, Weltkirche zu sein? Und wie verhindern, dass die Solidarität mit den fernen Glaubensgeschwistern als Geschenk, und nicht als Last empfunden wird, die wir uns angesichts von Sparzwängen und Arbeitsüberlastung nicht auch noch aufbürden wollen?
In diesem Monat feiert die katholische Kirche weltweit den Weltmissionssonntag. In vielen Gemeinden wird dieser Tag als „Fest der Weltkirche“ begangen. Ein Fest feiert, wer sich über etwas freut, wer dankbar ist. Einmal ehrlich: Worüber freuen Sie sich, wenn Sie den „Sonntag der Weltkirche“ feiern? Haben Sie ein echtes Gefühl der Dankbarkeit? Um Freude und Dankbarkeit für eine Beziehung zu empfinden, muss sie gepflegt und lebendig gehalten werden. Das gilt für die Weltkirche genauso wie für die Familie oder den Freundeskreis. Eine Beziehung lebt vom Wissen übereinander, von Begegnungen, vom füreinander Eintreten. Ereignisse wie der Sonntag der Weltmission sind wichtige Gelegenheiten, etwas von der grenzenlosen Gemeinschaft der katholischen Kirche zu erfahren. Noch wichtiger ist es, Zeichen und Formen zu entwickeln, die unsere weltumspannende Einheit im Glaubensleben lebendig werden lassen.
Katholisch zu sein bedeutet: Christen unterschiedlichster Kulturen und Traditionen können sich als Schwestern und Brüder im Glauben entdecken und miteinander erfahren, wie Glaube nicht belastet, sondern befreit, wie er zu Solidarität inspiriert und die Welt verändert. Diese weltkirchliche Erfahrung kann auch bei uns zu einer Quelle von Erneuerung, Hoffnung und Glaubensfreude werden. Unsere Aufgabe als Missionswerk ist es, dafür immer wieder neue Impulse zu geben – nicht nur im Monat der Weltmission. Pater Hermann Schalück ofm
Präsident missio Aachen
Quelle: missio Magazin, Ausgabe 5/2007 |
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