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  • Die Situation der Frauen nach dem Krieg
  • Eine ehemalige Kriegssklavin erzählt
  • Versöhnung für die Zukunft
  • Vergewaltigung verboten!

     

  • Frauen in Sierra Leone

     

      Die Situation der Frauen nach dem Krieg  
     

     
     

    Noch immer sorgen Friedenstruppen der Vereinten Nationen für die Sicherheit in der westafrikanischen Republik Sierra Leone. Zwei Jahre nach Kriegsende vernarben langsam die äußeren Wunden der Bevölkerung. Doch die psychischen Auswirkungen schwelen weiter. Vor allem Frauen, Mädchen und Jungen sind betroffen. Über Jahre hinweg dienten sie den Rebellen als Zielscheibe für ihren Hass und wurden als politisches Instrument eingesetzt. So wurden zum Beispiel die Frauen des ethnischen Feindes vergewaltigt und dazu gezwungen, das Kind zu gebären. Entführte Kinder mussten als Lastenträger schuften oder Dienst an der Waffe leisten.

     

    Die Nachkriegsbehandlung der Opfer stellt eine hohe Anforderung an die Regierung von Sierra Leone, Hilfsorganisationen und kirchliche Einrichtungen dar. Der Krieg provozierte eine starke Abwanderung der ländlichen Bevölkerung in städtische Gebiete. Auch hier bleiben die beruflichen Möglichkeiten für Frauen beschränkt - die Frauenerwerbsquote in Sierra Leone lag im Jahr 1999 bei ungefähr 36,7 Prozent. Ohne je eine Ausbildung bekommen zu haben, müssen sie einen Weg finden, ihre Familie zu ernähren. Viele verdingen sich als Hausmädchen in traditionell patriarchalischen Strukturen und werden von der Regierung nur schwach unterstützt. Unter den schlechten wirtschaftlichen Bedingungen und der Präsenz der Blauhelmsoldaten floriert das Gewerbe der Prostitution. Wegen fehlender oder mangelhafter Aufklärung nimmt im gleichen Zuge auch die Verbreitung des HIV-Virus seinen Lauf. 

     

    Sierra Leone zählte schon vor Ausbruch des 10-jährigen Krieges zu den ärmsten Ländern der Welt. Mit der Zerstörung der landwirtschaftlich genutzten Räume verloren wiederum vor allem Frauen ihre Existenzgrundlage, stellen sie rund 80 Prozent der Landarbeiterschaft. Auch das Gesundheits- und das Ausbildungssystem sind unter den Nachwirkungen des Krieges zusammengebrochen. Leistungen wie die Pflege der eigenen Familie, von Nachbarn, Waisenkindern und AIDS-Kranken werden auf den Schultern der Frauen verteilt. Dadurch fehlt es ihnen an Zeit, einer bezahlten Tätigkeit nachzugehen oder eine Ausbildung zu absolvieren. Gleichzeitig leiden viele Frauen als ein Ergebnis systematischer Vergewaltigungen und brutaler Gewaltverbrechen selbst an unterschiedlichen Krankheitsbildern. Die Kinder- und Müttersterblichkeit hat zugenommen, die Anzahl der Geburten ist zurückgegangen. Allgemein betrachtet stellt die Behandlung physischer Erkrankungen jedoch ein einfacheres Problem dar als der Umgang mit seelisch Kranken. In einem Land wie Sierra Leone werden Geisteskranke von weiten Teilen der Bevölkerung isoliert und als anormal verurteilt.

    Eine Studie der UNIFEM, einer Organisation der Vereinten Nationen, die sich weltweit für die Rechte von Frauen einsetzt, ergab, dass Frauen eine wichtige Rolle in der Friedensentwicklung spielen. Allerdings haben Frauen noch immer kaum Zugang zu Positionen als Entscheidungsträgerinnen und bei Friedensverhandlungen.

     
       
     
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      Eine ehemalige Kriegssklavin erzählt  
     

     
     

    Auf die Fragen ihrer Tochter reagiert Musu-Aminata Fonah meist mit Schweigen. Wut und Scham empfindet sie über das, was ihr in den Kriegsjahren als junge Frau und Mutter angetan wurde. Erst im "Fatima House of Light" hat Musu Aminata eine Ahnung davon bekommen, was 'Zukunft' bedeutet: Mit gebatikten, selbstgenähten Kleidern will sie eines Tages auf eigenen Füßen stehen. 

     

    Zu fünfzehnt wurden die Frauen von den Rebellen in den Urwald verschleppt. Ihr Dorf war überfallen worden und ihre Hütten niedergefackelt. Doch die blutige Entführung war nur der Anfang ihres Martyriums. "Wir führten das Leben von Sklaven", erzählt Musu-Aminata Fonah mit grimmig vorgeschobenem Kinn. "Jeden Tag kamen sie und vergewaltigten uns. Sie schreckten noch nicht einmal davor zurück, sich an Schwangeren zu vergehen."

     

    Ein Jahr und zwei Monate lebte die heute 32-jährige als Gefangene im Busch. Auch ihr damals vierjähriger Sohn wurde von den Rebellen entführt. "Durch Zufall habe ich ihn auf einem Marsch durch den Regenwald wiedergesehen und vor Freude geschrien." Musu-Aminata beißt sich auf die Lippen. Sie wischt sich mit ihrer linken Hand Tränen aus dem Gesicht und spricht weiter: "Er wurde daraufhin getötet." Viele Kinder wurden den Medizinmännern für Rituale geopfert. Wer Glück hatte, durfte den Rebellen als Lastenträger und Koch dienen. Unter Drogen stehend wurden vor allem die Jungen in die Städte geschickt, ballerten blind durch die Gegend und machten den Rebellen den Weg frei, indem sie die "feindlichen" Gewehrläufe auf sich zogen.

     

    "Wenn die Soldaten der ECOWAS angriffen, waren die Rebellen im Busch verstreut. An solchen Tagen konnte man versuchen zu fliehen." Mit neun anderen Frauen und Kindern war Musu-Aminata die Flucht gelungen. "Wir sind nach 22 Meilen an einem Dorf angekommen. Alle Bewohner waren tot." Weitere 27 Meilen mussten sie zurücklegen, um nach einem erschöpfenden Marsch in ein Dorf zu gelangen, wo das Rote Kreuz stationiert war.

     

    Heilung im "Haus des Lichts"

     

    "Ich bin sehr glücklich im Fatima-Haus zu sein." Mus u-Aminata strahlt. "Me ine Gebete sind erhört worden." Nie hätte sie ansonsten Lesen und Schreiben gelernt. Zusammen mit ihren drei Kindern hat sie sich notdürftig in einer der zahllosen Wellblechhütten Freetowns eingerichtet. Nahrungsmittel bringt sie vom Markt mit, wo sie nachmittags als Aushilfe Gemüse verkauft. Mit der Ausbildung in Nähen und Batiken erhofft sie sich eines Tages eine bessere Anstellung. "Bisher hatte ich nichts, was mir eine Zukunft eröffnet hätte. Darum komme ich so gern zum Unterricht zu den Schwestern." Außerdem gefallen der burschikosen Sierra Leonerin die gelegentlichen "gesellschaftlichen Abende" im Fatima-Haus, wenn sich die Frauen zu Tanz und kleinen, selbstinszenierten Theaterstücken treffen, aus der Bibel lesen und singen. Nur die Probleme zu Hause hat Musu-Aminata noch nicht in den Griff bekommen. "Meine Kinder gehen nicht zur Schule", bedauert die vierfache Mutter. Am Schlimmsten trifft sie aber, ihre 14-jährige Tochter Naomi leiden zu sehen. Sie hat die Kriegserlebnisse nicht verwunden. "Naomi weint so oft." Musu-Aminata blickt sorgenvoll zu Boden. "Ich kann mit ihr so schwer darüber reden. Es beschämt mich. Ich weiß inzwischen, dass mich keine Schuld trifft. Aber wenn ich Naomi ansehe, fühle ich mich wieder schuldig."

     

    Für  die meisten der ehemaligen Kriegssklavinnen sind die Ordensfrauen des "Fatima House of Light" die einzigen Menschen, mit denen die ehemaligen Kriegssklavinnen über ihre Alpträume sprechen. Dank der Schwestern schöpfen die zum Teil schwerst traumatisierten Frauen und Mädchen Kraft und Hoffnung. "Ich habe verzeihen gelernt, vergessen werde ich es aber nie." Musu-Aminata fügt hinzu: "Mit Gottes Hilfe werde ich eines Tages selbstständig arbeiten und dafür sorgen, dass meine Kinder in die Schule gehen", sie nickt zuversichtlich. Als nächstes aber will sie endlich getauft werden.

     

    Wenn Sie für Frauen wie Musu-Aminata spenden möchten, klicken Sie hier.

     
       
     
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      Versöhnung für die Zukunft  
     

     
     

    Der Blick zurück ist schmerzhaft. Es sei in Afrika nicht üblich, über Probleme zu sprechen, erklärt Schwester Agatha. Der 32-jährigen fällt es sichtlich schwer, die Antwort zu geben, die für die Zukunft ihrer Heimat so wichtig ist: Ja, sie habe sich mit ihrer Vergangenheit ausgesöhnt. Als Vorbild für die Frauen und Mädchen, die bei ihr und ihren Mitschwestern Trost und Schutz suchen in all den hilfslosen Momenten. Und für ihre eigene Zukunft. Viele Menschen, auch ihre geliebte Mutter, hat ihr dieser grausame Krieg für immer genommen. "Wir sind uns bewusst, dass die Frauen es nach ihrer Ausbildung schwer haben werden, eine Arbeit zu finden", bedauert die Ordensfrau. "Wir hoffen aber, dass sich die meisten von ihnen von ihren Traumata erholen und eine neue Idee von ihrem Leben, ihrer Zukunft haben werden. Wenn wir das schaffen, haben wir einen kleinen, aber wichtigen Schritt in eine friedlichere Zukunft erreicht." Auch Aminata wird viel Kraft benötigen, um ihren Traum zu verwirklichen, selbstständig für ihre Tochter zu sorgen. Mit der Ausbildung im Fatima-Haus glaubt sie, ihr Lebensziel erreichen zu können. Während dieser Zeit lebt das sechsjährige Mädchen bei einer Pflegemutter in der Nähe von Freetown. "Immer wenn ich etwas Geld für den Transport zusammengespart hat, fahre ich sie besuchen", erzählt Aminata schüchtern. Die Tochter. Das Einzige, was ihr geblieben ist. Ihr erstes Kind und dessen Vater wurden am Tag ihrer Entführung von Rebellen erschossen. 

    Claudia Vogel 

     
       

      Vergewaltigung verboten!  
     

     
     

    "Vergewaltigung ist ein Verbrechen und ist verboten!" Diese Botschaft hält Watta Boakai den gewaltbereiten Männern in ihrem Flüchtlingslager in Sierra Leone entgegen. Die junge, engagierte Frau floh vor dem Krieg in Liberia. Doch auch im Nachbarstaat ist das Leben für Frauen gefährlich. Lesen Sie mehr über dieses aktuelle Spendenprojekt hier.

     
       
     
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    "1 Euro für Afrika": Afrikatag 2004
    Menschenrechtsverletzungen, Krieg und Hunger sind für Afrikanerinnen und Afrikaner bittere Realität. Im Rahmen der Kampagne zum missio-Afrikatag „1 Euro für Afrika – Der Zukunftsfonds“ möchten wir ein hoffnungsfrohes Zeichen für eine Zukunft in Gerechtigkeit und Frieden setzen.