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  • Bischof Dr. Oswald Hirmer gestorben
  • Nachruf von missio für Bischof em. Dr. Oswald Hirmer
  • Nachruf des Bistums Regensburg für Bischof em. Dr. Oswald Hirmer

     

  • Bischof em. Oswald Hirmer gestorben

     

      Bischof Dr. Oswald Hirmer gestorben  
     

     
     

    In der Nacht auf Samstag, den 05.03.2011, verstarb der frühere Bischof von Umtata, Südafrika, Dr. Oswald Hirmer (1930 – 2011). 

    Weltweit trauern die mit dem pastoralen Ansatz der Kleinen Christlichen Gemeinschaften verbundenen Menschen um Oswald Hirmer, der als Mitbegründer des Lumko-Instituts in Südafrika und als der "Vater des BibelTeilens", als Mitentwickler des Ansatzes der Kleinen Christlichen Gemeinschaften und des AsIPA-Ansatzes Veränderungen in der praktischen Gemeindearbeit der katholischen Kirche mit angestoßen hat, wie kaum ein andere Theologe nach dem Konzil. Er hat unablässig bis kurz vor seinem Tod Kurse in fast allen Ländern Afrikas und Asiens sowie in Deutschland gegeben, hat Bücher und Artikel geschrieben und Menschen in Beziehung gebracht.

    Das Nationalteam Kleine Christliche Gemeinschaften in Deutschland und die in diesem Ansatz Engagieren verlieren einen wichtigen Lehrer und guten Freund. Wir bitten um das Gebet für Oswald Hirmer.

    Das oben eingestellte Foto vom Bischof Oswald Hirmer konnte Dieter Tewes bei seinem Besuch im April 2010 in Mariannhill bei Durban in Südafrika machen, wo Oswald gemeinsam mit seinem lebenslangen Freund Bischof em. Fritz Lobinger seit seiner Emeritierung wohnte, wenn er nicht auf eine seiner unzähligen Reisen in Sachen einer "Kirche der Zukunft" und des BibelTeilens war. 

    Wir dokumentieren untenstehend den Nachruf von missio als Hirmers langjährigen Partner, sowie den von Oswald Hirmers Heimatbistum Regensburg.  

    Einen Nachruf vom Laity-Office der Föderation der asiatischen Bischofskonferenzen, den die langjährige Mitarbeiterin von Oswald Hirmer im Pastoralinstitut in Singapur, Wendy Louis, verfasst hat sowie Worte zahlreicher asiatischer AsIPA-VertreterInnen finden Sie hier.

     
       

      Nachruf von missio für Bischof em. Dr. Oswald Hirmer  
     

     
     

    Vater des Bibel-Teilens verstorben

     

    In der Nacht auf Samstag, den 05.03.2011, verstarb Bischof em. Dr. Oswald Hirmer (1930 – 2011). Der in Amberg geborene Missionar war viele Jahre lang Bischof der südafrikanischen Diözese „Umtata“ und gilt als Vater des „Bibel-Teilens“.  

     

    Nach seinem Theologiestudium ging Oswald Hirmer im Jahr 1957 als Fidei-Donum-Priester nach Südafrika und war dort zunächst als Pfarrer in der Diözese Aliwal tätig. Schon früh entwickelte er katechetische Programme und Medien. Unter anderem wirkte er am Entstehen von „Vita“ mit, einem audiovisuelles katechetisches Medium, das in viele Länder Afrikas verbreitet wurde. Darüber hinaus verfasste Hirmer den vielbeachteten Katechismus „Africa´s Way to Life“. Nach einem Promotionsstudium bei Adolf Exeler in Münster kehrte Oswald Hirmer 1973 nach Südafrika zurück und war zunächst Dozent am Institut für Missionswissenschaften in Georgetown, dann ab 1972 Rektor des Zingisa Minor Seminary in Umtata. Im Jahr 1975 wurde er an das von der Südafrikanischen Bischofskonferenz (SACBC) getragenen Lumko-Institut gerufen, wo Hirmer das „Gospel Group Department“ aufbaute. Zwei Jahre später, 1977, ernannte die Bischofskonferenz für Südafrika Oswald Hirmer zum Nationaldirektor der Weltbibelföderation für das Bibelapostolat. In diesem Jahr griff Hirmer Impulse zur Bibelarbeit aus den ostafrikanischen Kirchen auf und entwickelte die Sieben-Schritte-Methode (Bibel-Teilen), die als spirituelle Form der Bibelarbeit weltweit bekannt wurde. Zusammen mit Fritz Lobinger schuf er auf der Basis dieser Sieben-Schritte-Methode ein Pastoralprogramm, das die Südafrikanischen Bischofskonferenz unter dem Titel „Community Serving Humanity“ im Jahr 1989 als Pastoralprogramm des Landes verkündeten. Auch in zahlreichen anderen afrikanischen Ländern wurde das Pastoralprogramm aufgegriffen, das vor allem den Aufbau lebendiger Kleiner Christlicher Gemeinschaften förderte. 

     

    Im Jahr 1990 luden die asiatischen Bischöfe Oswakld Hirmer zu ihrer Fünften Generalversammlung nach Bandung (Indonesien) ein. Im Rahmen seines Workshops „Alternative Ways of Being Church in the Asia of the 1990s“ ging Hirmer auf die aktuelle Situation der Kirche in vielen Ländern (nicht nur) Asiens ein:  Jahrhunderte lang gingen wir davon aus, wir wüssten, was in der Kirche erwartet würde, wie ihre Aktivitäten unternommen werden müssten, wer was und wann zu tun hätte usw. Mit anderen Worten: Wir übernahmen eine starre und stereotype Sicht der Kirche, die es den Kirchenmitgliedern, vor allem den außen Stehenden, schwer machte, Christus hinter der Kirchenfassade zu entdecken. Für viele wurde die Kirche im Alltag unbedeutend und viele Priester fühlen, dass sie sich im Kreis bewegen.“ Als Gegenmodell einer anonymen Kirche stellte er sein Modell der Kleinen Christlichen Gemeinschaften vor, in denen Christen ihren Glauben miteinander teilen. Über diese Kleinen Christlichen Gemeinschaften sagte Hirmer: „Wir betrachten die ideale Kirche als Gemeinschaft von Gemeinschaften. Diese Gemeinschaften mögen `christliche Glaubensgemeinschaften´ oder `Basisgmeinschaften´ oder `Kleine Christliche Gemeinschaften´ sein. Vier wesentliche Aspekte zeichnen diese Gruppen aus: Nachbarn treffen sich außerhalb der offiziellen Gottesdienste; sie betrachten das Bibel-Teilen als spirituelles Fundament; sie unterstützen einander und arbeiten miteinander und sie sind verbunden mit den anderen Gruppen einer Pfarrei und mit der Universalkirche.“ 

     

    Die Darlegungen Hirmers fielen bei den asiatischen Bischöfen auf fruchtbaren Boden. In der Abschlusserklärung zur Vollversammlung griffen sie die Ausführungen von Oswald Hirmer auf und verkündeten: „Ein weiteres Zeichen der Hoffnung ist der Wunsch nach Gemeinschaft. […] Stärker lokal ausgedrückt, ist es zu sehen im Wachstum der kirchlichen Basisgemeinschaften, der Nachbarschaftsgruppen, von Gruppen, die sich zusammen tun, um die Menschenrechte zu verteidigen oder die sich zum Gebet oder zum Bibel-Teilen treffen.“ 

     

    In zahlreiche asiatische Ländern wurde Hirmer in den folgenden Jahren zu Workshops eingeladen, und es bildeten sich nun auch in Asien überall Kleine Christliche Gemeinschaften. Ihre „neue Art, Kirche zu sein“ bezeichneten die Mitglieder dieser Gemeinschaften als Asian Integral Pastoral Approach (AsIPA): als asiatischen integralen Pastoralansatz. Inzwischen wird die Zahl dieser lebendigen Basisgemeinschaften, die auf den Impuls von Oswald Hirmer zurückgehen, in Asien auf über 300.000 geschätzt.

     

    Am 21. April 1997 wurde Oswald Hirmer von Johannes Paul II. zum Bischof der südafrikanischen Diözese Umtata berufen. Erfolgreich führte er die Kleinen Christlichen Gemeinschaften nun auch in dieser Diözese ein. Immer wieder betonte er die Stärke dieser lebendigen Glaubensgruppen, die sich durch ihre  Christuszentrierung, die Bildung lebendiger christlicher Gemeinschaften sowie der Fortsetzung der Mission Christi auszeichnen.

     

    Auch in Deutschland wurde der von Oswald Hirmer entwickelte Pastoralansatz vor allem seit Anfang des neuen Jahrtausends aufgegriffen. Gerade angesichts der Entwicklung immer größerer und anonymerer Strukturen in der deutschen Ortskirche wurden zahlreiche Diözesen neugierig auf diese „neue Art, Kirche zu sein“ und besuchten auf Initiative von missio die lebendigen Glaubensgemeinschaften in Asien, um sich von ihren Erfahrungen inspirieren zu lassen. Immer mehr Pastoraltheologen erkennen auch in Deutschland in diesem Ansatz eine Alternative für eine lebendige Kirche, in der Menschen miteinander ihren Glauben und ihr Leben teilen. 

     

    Am 8. Februar 2008 nahm Benedikt XVI. das altersbedingte Rücktrittgesuch Hirmers an. Oswald Hirmer verstarb am 5. März 2011 in Marianhill (Südafrika).

     
       

      Nachruf des Bistums Regensburg für Bischof em. Dr. Oswald Hirmer  
     

     
     

    Bischof em. Dr. Oswald Hirmer im Alter von 81 Jahren verstorben (pdr) 

     

    Oswald Hirmer, der frühere Bischof von Umtata in Südafrika, ist in der Nacht zum Samstag im Alter von 81 Jahren in Durban verstorben. Der gebürtige Amberger stand von 1997 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 an der Spitze der rund 75.000 Katholiken seiner Diözese im ehemaligen südafrikanischen Homeland Transkei. Den Kontakt zu seiner Heimatpfarrei Hl. Dreifaltigkeit in Amberg hat er trotz seiner jahrzehntelangen Tätigkeit in verschiedensten Erdteilen nie abreißen lassen. Zuletzt hatte er in Mariannhill bei Johannesburg gelebt.

     

    1955 war Oswald Hirmer in Regensburg zum Priester geweiht worden. Nach seiner Kaplanszeit in Ruhmannsfelden entschied er sich 1957 wie die beiden Oberpfälzer Fritz Lobinger und Hubert Bucher für eine Tätigkeit in der Mission, zunächst in südafrikanischen Aliwal North, dann in Georgetown. 

     

    Nach weiterführenden Studien in Deutschland und seiner Promotion an der Universität Münster über Die Funktion des Laien in der katholischen Xhosa-Gemeinde“ war er in den Jahren 1993 bis 1997 zusammen mit der Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen für die Adaption des LUMKO-Programms auf die asiatische Situation verantwortlich. Dabei passte er das von ihm und Bischof Lobinger entwickelte afrikanische Modell des Aufbaus kirchlicher Basisgemeinschaften auf die asiatischen Verhältnisse an.

     

    Von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Umtata ernannt, empfing er am 28. Juni 1997 die Bischofsweihe. Für seinen Dienst in der Nachfolge der Apostel wählte er den Leitspruch Ich bin mit euch“, dessen Aktualität für Hirmer in seinem Leben für die Mission deutlich wird.

    Bischof Oswald Hirmer war zusammen mit Bischof Fritz Lobinger als der Erfinder des Bibel-Teilens einer der wichtigsten Förderer Kleiner Christlicher Gemeinschaften (KCG) weltweit. Die kleinen christlichen Gemeinschaften bilden im südlichen Afrika die Kirche vor Ort, wie es der Bischof einmal beschrieb. 1969 gründete er gemeinsam mit Lobinger das Lumko Missiological Institute, das Pastoralinstitut der Bischofskonferenzen für das südliche Afrika. Beide entwickelten ein Modell, welches das Lesen in der Hl. Schrift, das Austauschen der Gedanken über das Wort Gottes, das

    gemeinsame Singen und Beten und den tatkräftigen Einsatz für den Nächsten in den Mittelpunkt stellt.

     

    Im Jahr 2008 hatte Oswald Hirmer an der römischen Bischofssynode zum Thema Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche“ teilgenommen. Die Ausführungen Papst Benedikt XVI. im Nachsynodalen Schreiben Verbum Domini“ zur zentralen Stellung der Hl. Schrift im Leben der Kirche wie zur Bedeutung kleiner christlicher Gemeinden erscheinen wie eine Würdigung und

    Zusammenfassung des Lebenswerkes von Oswald Hirmer: Auf dieser Linie hat die Synode zu einem besonderen pastoralen Einsatz aufgefordert, um die zentrale Stellung des Wortes Gottes im kirchlichen Leben deutlich werden zu lassen, und empfohlen, die biblische Pastoral nicht neben anderen Formen der Pastoral, sondern als Seele der ganzen Pastoral zu fördern“. Darüber hinaus sollte in der Pastoralarbeit auch die Verbreitung kleiner Gemeinschaften begünstigt werden, die aus Familien bestehen, die entweder in den Pfarreien verwurzelt oder an die verschiedenen kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften gebunden sind und in denen die Unterweisung, das Gebet und die Kenntnis der Bibel gemäß dem Glauben der Kirche gefördert werden“ (Nr. 73).