Vater des Bibel-Teilens verstorben In der Nacht auf Samstag, den 05.03.2011, verstarb Bischof em. Dr. Oswald Hirmer (1930 – 2011). Der in Amberg geborene Missionar war viele Jahre lang Bischof der südafrikanischen Diözese „Umtata“ und gilt als Vater des „Bibel-Teilens“. Nach seinem Theologiestudium ging Oswald Hirmer im Jahr 1957 als Fidei-Donum-Priester nach Südafrika und war dort zunächst als Pfarrer in der Diözese Aliwal tätig. Schon früh entwickelte er katechetische Programme und Medien. Unter anderem wirkte er am Entstehen von „Vita“ mit, einem audiovisuelles katechetisches Medium, das in viele Länder Afrikas verbreitet wurde. Darüber hinaus verfasste Hirmer den vielbeachteten Katechismus „Africa´s Way to Life“. Nach einem Promotionsstudium bei Adolf Exeler in Münster kehrte Oswald Hirmer 1973 nach Südafrika zurück und war zunächst Dozent am Institut für Missionswissenschaften in Georgetown, dann ab 1972 Rektor des Zingisa Minor Seminary in Umtata. Im Jahr 1975 wurde er an das von der Südafrikanischen Bischofskonferenz (SACBC) getragenen Lumko-Institut gerufen, wo Hirmer das „Gospel Group Department“ aufbaute. Zwei Jahre später, 1977, ernannte die Bischofskonferenz für Südafrika Oswald Hirmer zum Nationaldirektor der Weltbibelföderation für das Bibelapostolat. In diesem Jahr griff Hirmer Impulse zur Bibelarbeit aus den ostafrikanischen Kirchen auf und entwickelte die Sieben-Schritte-Methode (Bibel-Teilen), die als spirituelle Form der Bibelarbeit weltweit bekannt wurde. Zusammen mit Fritz Lobinger schuf er auf der Basis dieser Sieben-Schritte-Methode ein Pastoralprogramm, das die Südafrikanischen Bischofskonferenz unter dem Titel „Community Serving Humanity“ im Jahr 1989 als Pastoralprogramm des Landes verkündeten. Auch in zahlreichen anderen afrikanischen Ländern wurde das Pastoralprogramm aufgegriffen, das vor allem den Aufbau lebendiger Kleiner Christlicher Gemeinschaften förderte. Im Jahr 1990 luden die asiatischen Bischöfe Oswakld Hirmer zu ihrer Fünften Generalversammlung nach Bandung (Indonesien) ein. Im Rahmen seines Workshops „Alternative Ways of Being Church in the Asia of the 1990s“ ging Hirmer auf die aktuelle Situation der Kirche in vielen Ländern (nicht nur) Asiens ein: „Jahrhunderte lang gingen wir davon aus, wir wüssten, was in der Kirche erwartet würde, wie ihre Aktivitäten unternommen werden müssten, wer was und wann zu tun hätte usw. Mit anderen Worten: Wir übernahmen eine starre und stereotype Sicht der Kirche, die es den Kirchenmitgliedern, vor allem den außen Stehenden, schwer machte, Christus hinter der Kirchenfassade zu entdecken. Für viele wurde die Kirche im Alltag unbedeutend und viele Priester fühlen, dass sie sich im Kreis bewegen.“ Als Gegenmodell einer anonymen Kirche stellte er sein Modell der Kleinen Christlichen Gemeinschaften vor, in denen Christen ihren Glauben miteinander teilen. Über diese Kleinen Christlichen Gemeinschaften sagte Hirmer: „Wir betrachten die ideale Kirche als Gemeinschaft von Gemeinschaften. Diese Gemeinschaften mögen `christliche Glaubensgemeinschaften´ oder `Basisgmeinschaften´ oder `Kleine Christliche Gemeinschaften´ sein. Vier wesentliche Aspekte zeichnen diese Gruppen aus: Nachbarn treffen sich außerhalb der offiziellen Gottesdienste; sie betrachten das Bibel-Teilen als spirituelles Fundament; sie unterstützen einander und arbeiten miteinander und sie sind verbunden mit den anderen Gruppen einer Pfarrei und mit der Universalkirche.“ Die Darlegungen Hirmers fielen bei den asiatischen Bischöfen auf fruchtbaren Boden. In der Abschlusserklärung zur Vollversammlung griffen sie die Ausführungen von Oswald Hirmer auf und verkündeten: „Ein weiteres Zeichen der Hoffnung ist der Wunsch nach Gemeinschaft. […] Stärker lokal ausgedrückt, ist es zu sehen im Wachstum der kirchlichen Basisgemeinschaften, der Nachbarschaftsgruppen, von Gruppen, die sich zusammen tun, um die Menschenrechte zu verteidigen oder die sich zum Gebet oder zum Bibel-Teilen treffen.“ In zahlreiche asiatische Ländern wurde Hirmer in den folgenden Jahren zu Workshops eingeladen, und es bildeten sich nun auch in Asien überall Kleine Christliche Gemeinschaften. Ihre „neue Art, Kirche zu sein“ bezeichneten die Mitglieder dieser Gemeinschaften als Asian Integral Pastoral Approach (AsIPA): als asiatischen integralen Pastoralansatz. Inzwischen wird die Zahl dieser lebendigen Basisgemeinschaften, die auf den Impuls von Oswald Hirmer zurückgehen, in Asien auf über 300.000 geschätzt. Am 21. April 1997 wurde Oswald Hirmer von Johannes Paul II. zum Bischof der südafrikanischen Diözese Umtata berufen. Erfolgreich führte er die Kleinen Christlichen Gemeinschaften nun auch in dieser Diözese ein. Immer wieder betonte er die Stärke dieser lebendigen Glaubensgruppen, die sich durch ihre Christuszentrierung, die Bildung lebendiger christlicher Gemeinschaften sowie der Fortsetzung der Mission Christi auszeichnen. Auch in Deutschland wurde der von Oswald Hirmer entwickelte Pastoralansatz vor allem seit Anfang des neuen Jahrtausends aufgegriffen. Gerade angesichts der Entwicklung immer größerer und anonymerer Strukturen in der deutschen Ortskirche wurden zahlreiche Diözesen neugierig auf diese „neue Art, Kirche zu sein“ und besuchten auf Initiative von missio die lebendigen Glaubensgemeinschaften in Asien, um sich von ihren Erfahrungen inspirieren zu lassen. Immer mehr Pastoraltheologen erkennen auch in Deutschland in diesem Ansatz eine Alternative für eine lebendige Kirche, in der Menschen miteinander ihren Glauben und ihr Leben teilen. Am 8. Februar 2008 nahm Benedikt XVI. das altersbedingte Rücktrittgesuch Hirmers an. Oswald Hirmer verstarb am 5. März 2011 in Marianhill (Südafrika). |