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  • KCG – Ein neuer Weg, Kirche mit den Menschen zu sein
  • Das Grundsatzpapier KCG - Ein Punkt im Prozess
  • A. Umbruch als Kairos
  • B. Grundlegende Pastoral-Theologische Perspektiven
  • C. Vielfältige Verwirklichungsformen im deutschspachigen Raum
  • „Kleine Christliche Gemeinschaften“ – im weiteren Sinn
  • „Kleine Christliche Gemeinschaften“ – im engeren Sinne
  • Herausforderungen im deutschsprachigen Kontext

     

  • Grundlagentext 2008

     

      KCG – Ein neuer Weg, Kirche mit den Menschen zu sein  
     

    Ein Grundsatztext im Lernprozess. Stand 1.4.2008

     
     

    Kleine Christliche Gemeinschaften – 
    Ein neuer Weg, Kirche mit den Menschen zu sein
    * Ziele – Entwicklungsstand – Grundsätze *

    Dieser Grundsatztext zum Pastoralen Modell der Kleinen Christlichen Gemeinschaften in Deutschland und dem deutschsprachigen Raum wurde in einem breiten Prozess erarbeitet. 
    Die Textvorlage stammt vom „Nationalteam Kleine Christliche Gemeinschaften in Deutschland". 
    Diese Vorlage wurde von der Jahresversammlung der am Prozess KCG im deutschsprachigen Raum beteiligten Diözesen und Institutionen am 3. und 4. Dezember 2007 in Hünfeld diskutiert und die Änderungsvorschläge in einem Redaktionsprozess vom Nationalteam eingearbeitet, der auf der Klausurtagung des Nationalteams KCG am 31.3. – 1.4.2008 seinen Abschluss fand.
    Dieses Grundsatzpapier ist Ausdruck unseres augenblicklichen Standes in einem Lernprozess. Daher wird es in Zukunft weiterentwickelt werden müssen. Wer dazu aus seinen Erfahrungen heraus einen Beitrag leisten möchte, kann sich an das 
    Nationalteam KCG wenden. 

    Kontakt:
    Dieter Tewes, 
    Missionarische Dienste/missio, Domhof 12, 49074 Osnabrück, Mail: 
    d.tewes@bgv.bistum-os.de

    Eine PDF-Datei als Druckversion des folgenden Textes finden Sie, wenn Sie hier klicken.

     
       

      Das Grundsatzpapier KCG - Ein Punkt im Prozess  
     

     
     

    Der Text des Grundsatzpapiers:

    Die Entwicklung der Kleinen Christlichen Gemeinschaften und des damit verbundenen Pastoralansatzes steht am Anfang eines langen Weges. Die ersten praktischen Erfahrungen sind ermutigend und überraschend. Neue Erfahrungen auf diesem Weg werden auch neue und vertiefte Erkenntnisse mit sich bringen. Dem pastoralen Ansatz, dem wir verpflichtet sind, entspricht diese Dynamik: Gelebte Erfahrungen wollen in einem gemeinsamen Prozess der geistlichen Unterscheidung immer wieder neu verstanden werden, damit sich immer deutlicher zeigen kann, welche Wege Gott mit seinem Volk in unserem Kulturraum gehen will.

    Dieses Grundsatzpapier gibt den gegenwärtigen Stand unserer Erkenntnisse wieder – das bedeutet, dass neue Entdeckungen und Erkenntnisse willkommen sind. Wir laden herzlich ein, mit uns gemeinsam in Gespräch und Diskussion über diesen Ansatz zu bleiben und sich kritisch und konstruktiv einzubringen.

     
       

      A. Umbruch als Kairos  
     

     
     

    In den vielfältigen und zum Teil tief greifenden Umbrüchen, die die Gesellschaft und unsere Kirche zurzeit kennzeichnen, wird deutlich, dass die Bedingungen des Christwerdens, Christseins und Christbleibens sich grundlegend ändern. Ein immer kleinerer Teil der Getauften – und hier vor allem die älteren Mitchristen – sind von einem selbstverständlich ererbten Christsein geprägt; sie haben in den pfarrgemeindlichen Strukturen der Kirche ihre Heimat gefunden (vgl. Sinusstudie). Christsein und Christwerden als soziale Selbstverständlichkeit werden aber seltener. Immer häufiger begegnen uns „Pilger und Konvertiten“ (Danielle Hervieu-Leger), die auf einer langen biografischen Suche nach Sinn und dem Geheimnis ihres Lebens sind; immer häufiger suchen Menschen nach Orten und Begegnungen, die allein unter dem Anspruch stehen, authentisch und glaubwürdig zu sein.

     Auf diesem Hintergrund rückt stärker in den Blick, dass nicht die derzeitige Kirchengestalt und ihr Erhalt das Ziel der Pastoral ist. Unser pastorales Handeln orientiert sich vielmehr an der Vision Jesu: dem Reich Gottes. Die Kirche als Gemeinschaft des Glaubens in der Gegenwart des Auferstandenen ist „Zeichen und Werkzeug“ der Sammlungsbewegung Gottes, die alle Menschen umfassen will. Im Blick auf das Reich Gottes versuchen wir, die suchenden Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, ihnen einen Zugang zu Gott zu eröffnen und eine Weggemeinschaft anzubieten, in der die lebendige Christusgegenwart erfahrbar wird. Von daher wird sich eine neue Vielfalt von Gemeinschaftserfahrungen entwickeln, deren Kennzeichen die lebendige Gegenwart des Auferstandenen ist. Solche „Biotope des Glaubens“  werden sowohl im lokalen Nahraum wie im Lebens- und Arbeitsraum der Menschen entstehen. Denn dort, wo Menschen leben, ist auch der Ort, wo Christus Menschen zusammenrufen und senden will. 

    Im Rahmen dieser Veränderungsprozesse, die auf eine stärker missionarische Kirchengestalt zielen, können Kleine Christliche Gemeinschaften eine wichtige Antwort auf die Frage geben, wie sich Kirche heute von Christus her lokal und lebensnah gestaltet.

     
       

      B. Grundlegende Pastoral-Theologische Perspektiven  
     

    Lernen in der Weltkirche

     
     

    Seit mehr als 25 Jahren sind verschiedene weltkirchliche Impulse in Richtung kleiner christlicher Gemeinschaften  auch im deutschsprachigen Raum aufgenommen worden. Die Bemühungen um eine Inkulturation dieses Ansatzes zeigen, dass er pastoraltheologische Optionen und Prinzipien enthält, die für die Weiterentwicklung der Gestalt der Kirche wichtig sind:

    • Es geht um eine Kirche, die in all ihren Bemühungen nach einem Menschsein in Fülle strebt, das sich ausdrückt in den Beziehungen zu Gott, zu den Armen und untereinander.
    • Es geht um eine Kirche, die die fundamentale Gleichheit aller Gläubigen in den Mittelpunkt stellt, wie sie im II. Vatikanischen Konzil  ins Licht gerückt wird. 

    In dieser Kirche …
    … ist jede und jeder berufen und gesandt. 
    … ist jede und jeder an seinem Ort in einer konkreten Gemeinschaft gesammelt.
    … sind jeder und jedem Fähigkeiten zu einem bestimmten Dienst gegeben. 

    • Es geht um eine Kirche, in der die verschiedenen Charismen sich voll entfalten können. Diese zu entdecken und zu fördern ist die Aufgabe aller Priester, Diakone und hauptberuflich Tätigen. Darin besteht ihr Dienst am ganzen Gottesvolk.
    • Es geht um eine Kirche, in der sich alle, die Verantwortung tragen oder ein Amt innehaben, einem dienenden Leitungsstil verpflichtet wissen. Dieser Stil ist vom Evangelium inspiriert und findet in der Person Jesu seinen klaren Ausdruck . 
    • Kleine Christliche Gemeinschaften sind kein Selbstzweck. Sie sind eine Verwirklichungsform von Kirche im Kleinen, die im Dienst am Kommen des Reiches Gottes steht.
     
       

      C. Vielfältige Verwirklichungsformen im deutschspachigen Raum  
     

     
     

    Das Modell einer Kirche als Gemeinschaft von Kleinen Christlichen Gemeinschaften hat in Deutschland seit der Jahrtausendwende eine neue Dynamik bekommen. Es gibt z.B. eine Antwort auf die Frage, wie in größeren pastoralen Strukturen Kirche am Ort lebendig sein kann. Es antwortet auf die Frage, wie die Eucharistie im Zentrum der Pfarrgemeinde bleibt, und damit eine eucharistische Lebensweise am Ort gelebt werden kann. Kleine Christliche Gemeinschaften verbinden Diakonie vor Ort, geistliche Erneuerung und Stärkung des Glaubenswissens. 
    Nach unserer Überzeugung kann dieser pastoraltheologische Ansatz die Gestalt einer Kirche in differenzierten Lebenswelten und größeren Räumen prägen. 

    Mit der Aufnahme der theologischen Grundanliegen des Ansatzes bilden sich in unterschiedlichen kirchlichen Situationen unterschiedliche Formen kleiner christlicher Gemeinschaften mit unterschiedlichen Entwicklungspotentialen heraus. 

    In katholisch geprägten Milieus lassen sich verschiedene Gruppen und Gemeinschaften durch die Prinzipien des pastoraltheologischen Ansatzes herausfordern und versuchen, ihre gewachsene Gestalt weiter zu entwickeln; oft werden dabei vor allem geistliche Impulse aufgenommen. Darüber hinaus bilden sich manchmal neue kleine Gemeinschaften als eine Art „spirituelle Selbsthilfegruppe“ (Bischof Joachim Wanke).

    In einer zunehmenden Diaspora wächst die Erkenntnis, dass Kleine Christliche Gemeinschaften aus gemeindeentwicklerischer Sicht so etwas wie eine Ortsnähe von Kirche verheißen. Kirche lebt dann dort, wo die Menschen leben und wohnen. Sie lebt aus dem Evangelium, ist eine Kirche, die Christus in seiner Sendung folgt, und bildet mit allen anderen kleinen christlichen Gemeinschaften so etwas wie ein Netzwerk der Kirche am Ort – die Pfarrei als eine Gemeinschaft von Orten des Kircheseins, die sich dann wiederum differenziert nach Charismen und Interessen. 

     
       

      „Kleine Christliche Gemeinschaften“ – im weiteren Sinn  
     

    eine Leitidee zur Weiterentwicklung bestehender Sozialgestalten
    des Glaubens oder der Neugründung kleiner Gruppen

     
     

    Wesentliche Grundprinzipien dieses Pastoralansatzes lassen sich auf die bestehenden Gruppen und Gemeinschaften innerhalb der Pfarrgemeinde oder die Sozialformen an anderen kirchlichen Orten übertragen. So kann eine Gemeindeentwicklung im Licht des II. Vatikanischen Konzils gefördert werden. Dabei orientiert sich diese Gemeindeentwicklung an drei Leitsternen und Zielen jeder Pastoral: 

    • Christus ist die Mitte: Es geht darum, dass sich alles Handeln in der Kirche auf die Ermöglichung einer Begegnung mit dem lebendigen Christus ausrichtet.
    • Gemeinde stärken: Es geht darum, dass die Begegnung mit dem lebendigen Christus zu einer Bildung und Erfahrung geschwisterlicher Gemeinschaft führt.
    • Die Sendung Jesu weiterführen: Es geht darum, dass die Gemeinschaft in Christus ihre Sendung entdeckt und diese lebt. 

    Die Weiterentwicklung bestehender Gemeinschaften und Gruppen oder die Neugründung christlicher Gemeinschaftsformen in Pfarrgemeinden und an anderen Orten wird durch die vorliegenden weltkirchlichen Erfahrungen befruchtet. Zwei Kriterien sind dabei zu beachten: Überschaubare Gruppengröße und Leben aus dem Glauben. In diesem Sinne sind Kleine Christliche Gemeinschaften Orte, wo Christinnen und Christen danach suchen, wie sie verbindliche Gemeinschaft, biblisch fundierte Spiritualität und diakonisches Engagement leben können. Darüber hinaus sind diese Kleinen Christlichen Gemeinschaften gekennzeichnet durch eine wachsende Auskunftsfähigkeit im Glauben, einen partnerschaftlichen Leitungsstil und die Suche nach einem Einklang von Glaube und Leben. Mit dieser Suchbewegung sind sie Teil eines weltkirchlichen Lernprozesses, in dem sich Christinnen und Christen in unterschiedlicher Weise auf den Weg machen, um am Reich Gottes mitzuwirken. Die drei Leitsterne können dabei als Korrektiv für die Entwicklung bestehender oder die Gründung neuer kirchlicher Sozialformen dienen. 

    Phänomenologisch gesehen lassen sich alle Gruppierungen nennen, die sich aus einem geistlichen Motiv treffen und in denen eine Erfahrung des Kircheseins möglich ist. Als Unterscheidungsmerkmale können dienen die Gebundenheit an Pfarreien (z.B. Familienkreise, Interessengruppen etc.), Gebundenheit an Verbände (z.B. Kolping, KAB etc.), Gebundenheit an geistliche Gemeinschaften und Bewegungen (z.B. Fokolare, Charismatische Erneuerung etc.), Gebundenheit an geistliche Orte (z.B. Klöster, christliche Bildungshäuser etc.) oder die Gebundenheit an Lebens- und Arbeitsräume (Kindertagesstätten, Krankenhäuser etc).

     
       

      „Kleine Christliche Gemeinschaften“ – im engeren Sinne  
     

    eine Verwirklichung von Kirche in der Nachbarschaft

     
     

    Bei der Inkulturation des weltkirchlichen Ansatzes geht es uns wesentlich um die Bildung und Gründung Kleiner Christlicher Gemeinschaften (KCG) als ekklesiale Gemeinschaften. Erste Erfahrungen in Deutschland ermutigen uns dabei.
    KCG verstehen sich als Lebensform einer Kirche im Kleinen; sie sind eine Mikroverwirklichung des Kircheseins in der Pfarrei. Dabei geht es nicht zuerst um eine neue Weise der Gemeinschaftsbildung. Es geht zunächst darum, dass ein Raum der Christusbegegnung für jeden Menschen eröffnet wird. Wo Christus sein Wort zu Menschen sprechen kann und Menschen einander ihren Glauben bezeugen und sich gemeinsam gesandt wissen, dort wächst Gemeinschaft – dort wird Kirche. KCG sind christuszentriert und gemeinschaftsorientiert. 

    Vier Merkmale kennzeichnen die so verstandenen KCG:

    • Eine Kleine Christliche Gemeinschaft lebt aus dem Wort Gottes. BibelTeilen eröffnet den Weg zu einer Spiritualität des Wortes Gottes, bei der jede und jeder im Hören auf Sein Wort in eine Begegnung mit Christus kommen kann, wo durch das Hören auf das Wort Kirche wächst und diese Gemeinschaft sich zugleich in ihrer Sendung erfährt. Das Bibelteilen ist also nicht eine Methode der Bibelarbeit, sondern ein Weg die Realpräsenz Christi im Wort zu erfahren, ein Weg zur Christusbegegnung, der uns in das Geheimnis des dreifaltigen Gottes führt und uns so eine lebendige Gotteserfahrung ermöglicht. BibelTeilen ist eine Form der Liturgie und zugleich eine Gebetsschule, durch die die KCG entdecken kann, dass sie durch das Wort Leib Christi wird, der sich durch eine konkrete Sendung in das Umfeld hinein inkulturiert.
    • Eine Kleine Christliche Gemeinschaft ist offen für alle Menschen in der jeweiligen konkreten Nachbarschaft. Wie Kirche insgesamt ist die KCG territorial organisiert. Die Menschen im jeweiligen Lebensumfeld sind eingeladen, sich von Christus als Kirche sammeln zu lassen. Die Menschen im Lebensumfeld wählen sich nicht aus, sind sich nicht ähnlich; eine Kleine Christliche Gemeinschaft ist keine Wahlgemeinschaft, sondern eine Berufungsgemeinschaft an dem Ort, an dem die Berufenen leben.
    • Eine Kleine Christliche Gemeinschaft wirkt mit einer konkreten Sendung in ihr Umfeld hinein. Beim BibelTeilen wird die Gemeinschaft herausgefordert, sich die Frage zu stellen, wozu Gott sie an ihrem Ort sendet und welche Aufgabe er ihnen stellt. Das Mitvollziehen der Sendung Jesu im konkreten Umfeld gehört wesentlich zu einer KCG. Gottes Wort ruft uns zum Handeln an diesem Ort in dieser Gesellschaft mit all ihren Herausforderungen und Brüchen (z.B. Vereinsamung, Altersarmut, Arbeitslosigkeit, Schuld, Beziehungskrisen, Ökologie, gesellschaftliches Leben, Arbeitswelt etc.). Die gemeinschaftliche Unterscheidung der Geister und die Suche nach der klaren Erkenntnis der konkreten Sendung ist ein Wesenszug Kleiner Christlicher Gemeinschaften.
    • Eine Kleine Christliche Gemeinschaft ist mit der Kirche als Ganzer verbunden. Die KCG ist Kirche im Kleinen und  nimmt Teil an der Sendung der Kirche. Zuallererst geschieht dies dadurch, dass die Mitglieder einer KCG die Eucharistie der Pfarrei mitfeiern. Zugleich nehmen sie am Leben der Kirche am Ort teil und übernehmen Dienste in ihr. Der Pfarrer und das Team der Hauptberuflichen sind wichtige Ansprechpartner für die Begleitung, Ausbildung und Förderung der KCG.  

    Kleine Christliche Gemeinschaften, die sich nach den vier beschriebenen Merkmalen entwickeln, sind durch weitere Merkmale gekennzeichnet:

    • Leben als Hauskirche – eine KCG trifft sich in der Regel an Wochentagen alle ein bis zwei Wochen in privaten Räumlichkeiten. Zum Treffen gehören das Hören auf Gottes Wort (BibelTeilen) und das Gespräch über den Alltag.
    • generationen- und milieuübergreifend – zu einer KCG gehören Mitglieder unterschiedlicher Alters- und Gesellschaftsschichten.
    • charismenorientierter Stil des Kircheseins – es geht darum, die Charismen der einzelnen zu entdecken und diesen zur Entfaltung zu verhelfen.
    • Offenheit der Lebensform – die Gemeinschaft in der KCG als Kirche vor Ort meint ein Miteinander von Christen, bei dem jede und jeder Interessierte stets willkommen ist.
    • partizipativer Leitungsstil – Leitung wird als Ermöglichung verstanden. Jede und jeder kann prinzipiell Leitung übernehmen; es entwickeln sich verschiedene Leitungsdienste, die rotierend wahrgenommen werden. Aufgaben und Dienste werden auf Zeit vergeben.
    • Entscheidungsfindung im geistlichen Prozess – Entscheidungen in der KCG werden im Konsens getroffen; leitend ist die apostolische Unterscheidung der Geister .
    • gelebte Solidarität – die Mitglieder helfen sich gegenseitig bei konkreten Anliegen und Sorgen, übernehmen Dienste und Aufgaben in dem gemeinsam erfahrbaren sozialen Raum und in der Pfarrei, zu der sie gehören.
    • konkrete Verantwortung – die Fortschritte und Ergebnisse übernommener Dienste und Aufgaben werden verfolgt und regelmäßig überprüft. Entscheidungen werden gegebenenfalls revidiert und Maßnahmen verändert.
    • Vernetzungen mit anderen KCG – man lernt voneinander und unterstützt sich gegenseitig.
    • missionarische Dimension – Die Mitglieder der KCG legen durch ihr diakonisches Engagement in der Nachbarschaft Zeugnis für die Frohe Botschaft ab und bauen Beziehungen zu Menschen in Ihrem Lebensumfeld auf. Die KCG selber sind gleichzeitig Orte für Menschen, die Christsein erfahren und erlernen wollen und damit Orte der Evangelisierung.
    • Ökumenische und interreligiöse Dimension – die KCG hat Kontakt zu anderen Christinnen und Christen und Menschen anderer Glaubensüberzeugungen, um mit ihnen zusammen nach Wegen zum Aufbau des Reiches Gottes zu suchen. 
     
       

      Herausforderungen im deutschsprachigen Kontext  
     

     
     

    Im deutschen Sprachraum ist die Entwicklung einer Kultur Kleiner Christlicher Gemeinschaften als Kirche in der Nachbarschaft eine Herausforderung an bisheriges pastorales Denken und Handeln. Für einen solchen Entwicklungsprozess ist nicht nur die theoretische Diskussion erforderlich; als besonders fruchtbar erweist sich das vorsichtige und fehlerfreundliche Experiment sowie der wache Austausch und die kritische Reflexion vieler Erfahrungen. Dafür bedarf es verschiedenster stützender Maßnahmen auf allen Ebenen der Pfarrei und der Diözese.
    Im Folgenden sollen einige Fragen und Herausforderungen angedeutet werden:

    • Nachbarschaft als territoriale Nähe in einer mobilen Gesellschaft: Der Begriff der Nachbarschaft verweist auf Beziehungsnähe und Lebensraumnähe; eine Kleine Christliche Gemeinschaft ist territorial und zugleich beziehungsorientiert. Was bedeutet es für die Bildung Kleiner Christlicher Gemeinschaften, dass wir in einer sehr mobilen Gesellschaft leben? Wie ist das Verhältnis von territorialer Nähe und lebensraumorientierter Beziehungsgestaltung zu denken?
    • Ökumene: In welcher Weise können Christinnen und Christen anderer Konfessionen Mitglieder Kleiner Christlicher Gemeinschaften sein? Was bedeutet in diesem Zusammenhang das vierte Merkmal der KCG (Zugehörigkeit zur Gesamtkirche)?
    • Prinzipielle Offenheit in einer Gesellschaft unterschiedlichster Milieus: Entstehen in KCG nicht leicht Wahlgemeinschaften, die milieubegrenzend sind? Wie lässt sich die prinzipielle Offenheit einer Berufungsgemeinschaft über sozial geformte Milieugrenzen hinweg konkret gestalten?
    • Gemeinschaft als Thema in einer individualisierten Gesellschaft: Wieweit lassen sich Menschen heute auf verbindliche Gemeinschaft ein? Lässt sich ein gastfreundschaftliches Kommen und Gehen mit dem Gemeinschaftsbegriff der KCG vereinbaren? 
    • Gotteserfahrung: Viele Menschen haben wenig Erfahrungen mit dem persönlichen Sprechen über den eigenen Glauben und der direkten Rede zu Gott. Wie kann in unserer Kultur auf einfache und authentische Weise mit Gott und den Erfahrungen mit ihm gesprochen werden?
    • BibelTeilen als mystischer Weg für alle: Die Christinnen und Christen unserer Gesellschaft sind dem Umgang mit der Heiligen Schrift entfremdet. Oftmals wird die Schrift vereinseitigend als literarischer oder theologischer Text verstanden oder er wird als lebensfremd eingeschätzt. Wie kann die mystische Tiefe des BibelTeilens verbunden werden mit anderen Weisen des Umgangs mit der Heiligen Schrift?
    • KCG als Teil der Pfarrei: KCG sind eine einfache Art und Weise, Kirche zu sein. Sie sind Substruktur in größer werdenden pastoralen Räumen, Pfarreien oder Pfarreiengemeinschaften. Wie gestaltet sich das Miteinander der KCG zu Gruppen und Gemeinschaften der Pfarrei? Wie ist das Verhältnis zur Leitung der Pfarrei? Wie ist das Verhältnis zu geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen?

    Autorenschaft für dieses KCG-Grundsatzpapier:

    • Nationalteam Kleine Christliche Gemeinschaften in Deutschland        und
    • Jahresversammlung "Kleine Christliche Gemeinschaften im deutschsprachigen Raum" in Hünfeld, 3.-4. Dezember 2007