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  • AsIPA - das bedeutet Christus, Gemeinschaft, Zusammenarbeit, Handeln und Feiern
  • Die AsIPA-Methode und ihre Anwendungsbereiche
  • AsIPA - das bedeutet Christus, Gemeinschaft, Zusammenarbeit, Handeln und Feiern
  • Umsetzung des neuen Weges, Kirche zu sein
  • Die Schlüssel zum Erfolg
  • Schluss

     

  • Grundsatzartikel zu AsIPA

    von Wendy Louis, Pastoralinstitut Singapur
     

      AsIPA - das bedeutet Christus, Gemeinschaft, Zusammenarbeit, Handeln und Feiern  
     

     
     

    AsIPA
    Asiatischer Integraler Pastoralansatz – das bedeutet:
    Christus, Gemeinschaft, Zusammenarbeit, Handeln und Feiern
    von Wendy Louis

    Der „neue Weg, Kirche zu sein“ [FABC5, Bandung, 1990. „The new way of being Church in the 1990s“ war Thema der Vollversammlung der Vereinigung der asiatischen Bischofskonferenzen 1990.] wird uns immer wieder aufs Neue herausfordern, denn man braucht ein starkes, vertrauensvolles Herz, wenn man die Vision des Zweiten Vatikanischen Konzils umsetzen will. Man kommt immer wieder in die Versuchung, die alten ausgetretenen Pfade zu gehen, die weniger Mühe kosten und vorhersehbarer sind. In Singapur und Malaysia haben die Erfahrungen der vergangenen 20 Jahre gezeigt, dass alle guten Worte, Bücher, Versammlungen und Methoden nichts nützen, solange der Mut zum Wandel fehlt. Was muss also geschehen und welche Rolle spielt die AsIPA-Methode?

     
       

      Die AsIPA-Methode und ihre Anwendungsbereiche  
     

     
     

    1. Ansatz: Methode –Instrumentarium

    Jede nach der AsIPA-Methode abgehaltene Versammlung weist die folgenden Hauptmerkmale auf:

    • Allen Teilnehmern stehen dieselben Informationen zur Verfügung. Auch der Versammlungsleiter hat keine weiterreichenden Informationen.
    • Der Versammlungsleiter wird als Fazilitator bezeichnet und fordert die anderen auf zu lesen, sich in kleinen Gruppen auszutauschen, zu berichten, über Fragen nachzudenken und zu beten. Der Fazilitator maßt sich niemals an, den anderen Vorschriften zu machen. Er respektiert die Gruppe. Vorleser werden von ihm nicht bestimmt. Vielmehr wartet er ab, bis sie auf seine Aufforderung reagieren.
    • Lehren der Bibel und/oder der Kirchen bilden immer einen wesentlichen Teil der Versammlung Entsprechend der Methodik des Bibelteilens werden Bibeltexte oft zum Gebet und zur Meditation benutzt, um so der gesamten Gruppe die Möglichkeit zu geben, dem auferstandenen Herrn in ihrer Mitte zu begegnen. Bibeltexte werden in der Gruppe auch zum persönlichen Studium verteilt, damit jeder für sich die Herausforderung des Evangeliums entdecken kann.
      – Die Lehre der Kirche wird als Paraphrase oder im Originalwortlaut weitergegeben, damit die Gruppen sich damit auseinandersetzen und darüber diskutieren können. Allerdings wählt der Verfasser aus Zeitgründen bestimmte, besonders relevante Passagen aus.
    • Der Text selbst vermittelt die Lehre, so dass kein Experte notwendig ist.
    • Erfahrung im Umgang mit den Methoden des Bibelteilens oder mit AsIPA-Texten fördert mit der Zeit den Gemeinschaftsgeist und die gemeinschaftliche Führung aufgrund des Vertrauens, das wiederum aus dem Respekt vor den Erwachsenen und ihrer Gottes- und Lebenserfahrung erwächst.    

    Die AsIPA-Methode basiert auf folgenden Überzeugungen:

    • Dass das Wesen der Kirche im Geheimnis Gottes in Gemeinschaft liegt und dass die „Koinonia“-Erfahrung ein fundamentaler Bestandteil des kirchlichen Lebens und Handelns ist.
    • Dass wir Christus in seinem Wort und in der Gemeinschaft in lebendiger und lebensspendender Weise begegnen können und ihm tatsächlich begegnen. Dabei spielt es keine Rolle, welchen Bildungsstand die versammelten Mitglieder haben und ob ein Geistlicher anwesend ist.
    • Dass alle Gläubigen vom Heiligen Geist beschenkt und als Glaubensgemeinschaften sowie als einzelne zu einer gemeinsamen Sendung berufen sind.
    • Dass die Laien mitverantwortliche Partner und nicht nur Gehilfen von Priestern und Ordensleuten sind.
    • Dass die Glaubensgemeinschaft als eine Gemeinschaft von Erwachsenen über einen großen Schatz an Glaubenserfahrungen und -weisheiten verfügt, der gehört und gefördert werden sollte.
    • Dass ein fördernder, nicht dominanter Führungsstil der Schlüssel zur Erhaltung einer Gemeinschaft ist und ihr Selbstvertrauen gibt.    

    2. Integral

    Kleine Christliche Gemeinschaften erlauben dem Gottesvolk, Glauben und Leben ganzheitlich miteinander zu verbinden.
    Alles, was die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche ihrer Sendung gemäß ist und tut, ist auch das „Werk“ der Mitglieder einer Kleinen Christlichen Gemeinschaft. Die Kirche in der Nachbarschaft ist ein kirchlicher Mikrokosmos und sollte daher auch folgende Aufgaben erfüllen:

    • Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist loben und anbeten
    • Vom Leben der Trinität in Einheit und Gemeinschaft Zeugnis ablegen
    • Den Glauben an Erwachsene und Kinder weitergeben
    • Sich um die Verstoßenen, Sünder und Armen kümmern
    • Der Gemeinschaft dienen und gegen Ungerechtigkeit aufbegehren    

    Die vier Merkmale der Kirche
    ... nehmen in den Gemeinschaften Gestalt an und werden zu einem wesentlichen Bestandteil des gelebten Glaubens:
    Die Eine Kirche
    – Einheit von kleiner Gemeinschaft und Pfarrgemeinde.
    – Einheit von Familien und Pfarrgemeinde mit der KCG in der Vermittlerrolle.
    – Einheit von kleinen Gemeinschaften, die sich zu Feiern oder Projekten der Pfarrgemeinde versammeln.
    – Versöhnung und Erneuerung stärken die Einheit in diesen Gemeinschaften. Die Bemühungen um Aussöhnung lassen ein intensiveres christliches Leben und eine authentischere Einheit entstehen.

    Die Heilige Kirche
    – Christus steht im Mittelpunkt. Das Wort Gottes ist inmitten der Gemeinschaft lebendig und heiligt die Gemeinschaft.
    – Das Teilen des Evangeliums führt viele Menschen in ihrem Alltag regelmäßig sehr nahe zu Gott.
    – Gebet, Lobpreis, Eucharistiefeier prägen das Leben der Gemeinschaft.

    Die Katholische Kirche
    - Alle aus der Nachbarschaft sind eingeladen.
    - Alle Getauften sind Mitglieder der Gemeinschaft.
    - Niemand, weder der Süchtige noch der Sünder, wird ausgeschlossen. Manchmal können „abtrünnige“ Katholiken leichter in der vertrauten Umgebung ihres Zuhauses für die Gemeinschaft zurückgewonnen werden.
    - Nicht katholische Ehepartner fühlen sich ebenfalls zugehörig, ohne zur Teilnahme an Gottesdiensten verpflichtet zu sein.

    Die Apostolische Kirche
    – Führung wird im Sinne von Dienen verstanden.
    – Dienen ist ein Ausdruck des Glaubens. Die Liebe zu Gott äußert sich in der Nächstenliebe.
    – Ämter entwickeln sich aus der Gemeinschaft heraus, um der Kirche und der Gesellschaft zu dienen.
    – Alle übernehmen im regelmäßigen Wechsel in irgendeiner Form eine dienende Führungsrolle.
    – Führung in der Kirche bedeutet, „seine Nächsten zu stärken“, für einander zu beten und sich gegenseitig aufzubauen.

    Die Bischöfe Ostafrikas haben die Kleinen Christlichen Gemeinschaften als die „konkreteste Form der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche“ bezeichnet.

    3. Pastoral

    Welche Aufgabe kommt den Laien in der Seelsorge zu? Die Gläubigen sind aufgerufen, das Werk Christi fortzuführen und ihren Teil zum pastoralen Wirken beizutragen.
    Bei richtiger Anwendung können die AsIPA-Methoden den Menschen helfen, ihre Berufung und ihre Gaben zu entdecken, damit sie auf ihre Nachbarn, Familien und Arbeitskollegen zugehen, um ihnen Hoffnung zu geben, ihnen beizustehen und sich um sie zu kümmern.

    • Die Mitglieder der KCGs besuchen regelmäßig die Kranken, die Alten, die Schlüsselkinder und die Trauernden.
    • Die KCGs können selbst Familien, in denen nur ein oder zwei Angehörige katholisch sind, große Dienste erweisen.
    • Im AsIPA-Prozess wird besonders die soziale Verantwortung der Laien herausgestellt. Dies ist eines der Merkmale, die aus den Ressourcen und der Vision des Lumko-Instituts übernommen wurden.    

    4. Asiatisch

    • Hinter dem AsIPA-Konzept steckt die Absicht, die Weisheit der Menschen zusammenzuführen und gemeinsam zu nutzen. Sie ist in den Erfahrungen der Menschen verwurzelt.
    • Das Wort Gottes wird ihnen als Spiegelbild ihres Lebens vorgehalten und ist den verschiedenen Kulturen und Lebensstilen sehr nahe, seien sie asiatisch, afrikanisch oder europäisch.
    • Bilder oder Geschichten, die als „Codes“ bezeichnet werden, bieten den Gruppenmitgliedern die Grundlage dafür, sich mit ihrem eigenen Leben und ihrer eigenen Geschichte auseinander zu setzen.
    • Als Bürgerin Singapurs indischer Herkunft beziehe ich das Wort oder die Lehre Gottes auf meine Situation und lege es für mich aus. Ich bringe das Wort Gottes auch als treibende Kraft für Veränderungen in meinen Alltag ein.    

    Die Intention des Asiatischen Integralen Pastoralansatzes ist es, allen Gläubigen zu ermöglichen, die neue Sicht von Kirche zu teilen und für sich zu entdecken. Es geht darum, über Bildung und Ausbildung zu einer gemeinschaftlichen Führung zu gelangen. Mit dem Teilen des Evangeliums und dem Aufruf der Laien, durch die Wahrnehmung ihrer priesterlichen, prophetischen und großen Sendung zu einem Teil der Kirche zu werden, wird Christus in den Mittelpunkt gestellt.

     
       

      AsIPA - das bedeutet Christus, Gemeinschaft, Zusammenarbeit, Handeln und Feiern  
     

    Wer übernimmt welche Funktionen?

     
     

    Der Bischof

    Ihm fallen drei Führungsaufgaben zu: die Vision am Leben zu erhalten, andere dafür zu begeistern und die Gemeinschaft bei der Umsetzung der Vision zu unterstützen. Der Bischof hat gegebenenfalls die Priester davon zu überzeugen, den Laien mehr Vertrauen zu schenken. Möglicherweise muss er selbst mehr Vertrauen in die Laien setzen und bereit sein, Zeit und Geld in sie zu investieren. Er hat sicherzustellen, dass ein starkes, gut ausgerüstetes diözesanes Schulungsteam aufgebaut wird, das in der Lage ist, die Gemeinde auf den unterschiedlichsten Bildungsstufen zu begleiten. Dazu müssen Finanzmittel für Schulungen und hauptamtliche Mitarbeiter bereitgestellt werden. Bischof Oswald Hirmer lässt das Personal am Lumko-Institut ausbilden und beteiligt sich selbst an der Ausbildung seines diözesanen Schulungsteams. Häufig begleitet er seine Mitarbeiter auf Reisen durch die Diözese, um mit ihnen in den Gemeinden KCG-Leiter und Katecheten auszubilden. Sein Einsatz zeigt große Wirkung, denn die Gemeindepriester fühlen sich zur Teilnahme verpflichtet, und infolge ihrer Beteiligung gewinnen sie in ihrer Seelsorgearbeit an Zuversicht und Erfüllung. 

    Welche Aufgaben fallen dem Gemeindepriester zu?

    Seine Arbeit erstreckt sich auf neue Aufgaben als Lehrer, Erzieher und Animator. Dazu muss er auch seinen Zeitplan ändern und neue Prioritäten in der Seelsorgearbeit setzen. Seine erste Aufgabe besteht darin, ein Gemeindeteam zusammenzustellen, das groß genug ist, um alle mit dem Prozess verbundenen Aufgaben zu erfüllen. Mit einem gut organisierten Team stellt er das Überleben der Gemeinschaften sicher und lebt zudem die von ihm geforderte Zusammenarbeit und Beteiligung vor. Neben seiner Funktion als Vorsteher der Eucharistie leitet und fördert der Gemeindepriester auch das Schulungsteam der Pfarrgemeinde. 

    Förderung von Teilhabe in der Kirche 

    Die Vorgehensweise des Gemeindepriesters hängt vor allem davon ab, wie er „Teilhabe“ definiert. Wenn man in der Kirche von Teilhabe spricht, denkt man vielleicht an eine vielfältig aktive Gemeinde. Aber das kann ein Trugschluss sein. Falsch ist auch die Auffassung, Teilhabe bedeute lediglich Mithilfe bei Projekten, die vom Gemeindepriester und vom Gemeinderat initiiert werden. Der allerwichtigste Ausgangspunkt ist: die Gläubigen müssen sich bewusst werden, dass sie direkt an der Liebe, am Leben und an der Sendung Christi teilhaben – Teilhabe an seinem Leiden, seinem Tod und seiner Auferstehung. Diese innige Teilhabe am Leben Christi, die in jeder Eucharistie genährt und bekräftigt wird, ist die Grundlage für die Teilhabe an seiner Sendung. Teilhabe bedeutet auch, dass KCGs motiviert werden, sich von innen heraus zu entfalten, entsprechend dem Wort, das gebrochen und geteilt wurde. Alle Schulungsprogramme sollen die Kleinen Christlichen Gemeinden in die Lage versetzen und dazu ermutigen, mit ihrer Pfarrei in Einheit zu leben, ohne hinsichtlich weiterer Programme und Aktivitäten von ihr abhängig zu sein. 

    Das Schulungsteam der Gemeinde braucht eine klare Vision, spirituelle und fachliche Ausbildung sowie fortwährende Ermutigung und Unterstützung, um alle eventuell auftretenden Situationen meistern zu können.
    Das Gemeindeteam kann in folgende Aufgaben einbezogen werden: 

    1. Bewusstseinsbildung – eine neue Vision 

    [ Die D-Reihe von AsIPA unterstützt die Gemeindeschulungsteams bei der Entwicklung eigener Bewusstseinsbildungsprogramme. Die Lumko-Reihe umfasst folgende Aspekte: Führungsstil in einer von Teilhabe geprägten Kirche, unsere soziale Verantwortung gegenüber der Schöpfung und der Gesellschaft, gemeinsames Ausüben von Kirchenämtern, Kleine Christliche Gemeinschaften.] 

    In den Anfangsphasen sollen die Gemeindemitglieder eingeladen werden, ihre künftige Entwicklung selbst zu bestimmen. Dafür stellt das Gemeindeteam während der Sonntagsgottesdienste oder zu anderen Gelegenheiten Programme vor, um ein allgemeines Bewusstsein von der neuen Vision von Kirche zu wecken. 

    • Diese Programme sollen zeigen, dass Veränderungen notwendig sind, und Gelegenheit zum Nachdenken geben.
    • Das Bewusstsein kann sich auf jeden Bereich des kirchlichen oder öffentlichen Lebens beziehen. Am wichtigsten ist jedoch, sich der Herausforderung bewusst zu sein, was Kirche sein heute für uns bedeutet und warum das so ist.
    • Man weiß nie genau, wohin ein Programm zur Bewusstseinsbildung führt. Es lädt die Menschen ein und fordert sie heraus, aber die Menschen können frei entscheiden, was sie mit den neuen Informationen anfangen. Dies ist der schwierigste Teil des Prozesses, weil Reaktionen zögerlich kommen können und nie vorhersehbar sind.
    • Das Lumko-Institut verfügt über eine Reihe von Standardprogrammen zur Bewusstseinsbildung. Ideale Voraussetzungen sind aber dort gegeben, wo ein Gemeinde- oder Diözesanteam seine eigenen, auf die örtlichen Bedürfnisse zugeschnittenen Programme entwickeln kann.   

    2. Aufbau von Kleinen Christlichen Gemeinschaften

    Nachdem die Programme zur Bewusstseinsbildung vorgestellt wurden, bekunden die Menschen Interesse an der Gründung kleiner Gruppen oder verlangen nach mehr Informationen. Dann ist es Aufgabe des Teams: 

    • Diejenigen, die Interesse bekundet haben, zumindest in den ersten sechs bis acht Versammlungen zu begleiten.
    • Sogenannte Fazilitatoren im Bibelteilen auszubilden und der Gruppe die tiefere Bedeutung der einzelnen Schritte des Bibelteilens zu vermitteln. Damit wird der Grundstein für die Kleine Christliche Gemeinschaft gelegt.
    • Die Gruppe bei Entscheidungen über einen weiteren Ausbau oder über die Einrichtung von Ämtern zu beraten.
    • Schulungen über die Aufgaben von Führungskräften und die an sie gestellten Erwartungen abzubieten.   

    3. Erhaltung der KCGs

    Sobald die ersten Gemeinschaften aufgebaut sind, besteht die wichtigste Aufgabe darin, ihnen in verschiedenster Weise Unterstützung und Orientierungshilfe zu geben: 

    • Ausbildung weiterer Gemeindeführer, spirituelle Ausbildung für Führer und Mitglieder, Konfliktlösung.
    • Vertiefung des missionarischen Aspektes im Leben der Gemeinschaft durch die Anwendung verschiedener Methoden des Bibelteilens.
    • Förderung von Eigeninitiativen der KCGs in ihrer Nachbarschaft im Sinne des von ihnen praktizierten Teilens des Wortes Gottes.
    • Integration der KCGs in die Gemeindestruktur und Einräumung eines Mitspracherechts, z.B. bei der Vorbereitung der Gemeinde auf die Pastoralratswahlen, wobei die KCGs den Orientierungsrahmen für die pastorale Planung und Mitarbeit bilden.
    • Durchführung von Gemeindeversammlungen in der Form eines Beratungs- und Planungsforums.
    • Unterweisung von Pastoralratsmitgliedern in der neuen Art des Kirche Seins, damit sie ihre Aufgaben im Sinne einer „Gemeinschaft von Gemeinschaften“ verstehen.
    • Ausbildung für weitere Ämter – Schulungsprogramme, in denen ständig neue Mitglieder der kleinen Gemeinschaft ausgebildet werden, die dann abwechselnd die Führung der Gemeinschaft übernehmen können, und in denen sie auf ihre damit verbundenen Aufgaben vorbereitet werden, beispielsweise auf die Gestaltung des Bibelteilens, auf Hausbesuche bei neuen Gemeindemitgliedern, auf Krankenbesuche, auf das Beten mit trauernden Familien, auf die Organisation einer Hauskatechese usw.
    • Ermutigung aller Organisationen und Diener der Gemeinde zu einer Arbeitsweise, die stärker von Austausch, Teilnahme und Zusammenarbeit geprägt ist.
    • Förderung von Zusammenkünften von KCGs zu Feiern und Festen als fester Bestandteil des Gemeindelebens.
     
       

      Umsetzung des neuen Weges, Kirche zu sein  
     

     
     

    Um Christus, die Gemeinschaft und den Dienst stärker in den Mittelpunkt der Kirche zu rücken, ist kein großer finanzieller oder personeller Aufwand notwendig. Anfangs ist noch nicht einmal die Bildung kleiner Gemeinschaften erforderlich. Das gesamte Geschehen in einer Gemeinschaft kann auf größere spirituelle Tiefe, einen höheren Grad der Zusammenarbeit und echte Teilhabe ausgerichtet werden. Dies gilt zum Beispiel für Festtage, Sonntagsliturgien, Kindstaufen oder die Initiation von Kindern und Erwachsenen.

    Hier ein Beispiel: Vorbereitung von Kindern auf die Erste Heilige Kommunion: 

    a. Christus

    • Wir müssen uns fragen, was wir tun können, damit unsere Kinder die Gemeinschaft mit Christus erfahren, bevor sie das Sakrament der Eucharistie empfangen. Wie können sie Christus tatsächlich begegnen?
    • Das regelmäßige Teilen des Evangeliums, regelmäßige Exerzitien und spirituelle Schulung der Katecheten geben Zeit für Gebet und Ruhe und für die persönliche Begegnung mit Christus.
    • Den Eltern kann beim gemeinsamen häuslichen Beten mit ihren Kindern als Vorbereitung auf das Sakrament Hilfestellung geboten werden. Elterntreffen können dazu dienen, den Eltern die Bedeutung des Sakraments wieder näher zu bringen.
    • Die Kinder können zur Vorbereitung ein besonderes Gebet lernen, in dem sie den Herrn bitten, während der Eucharistiefeier, in der sie die Erste Heilige Kommunion empfangen, besonders bei ihnen zu sein.
    • Die Verkündung der Heiligen Schrift in Paraliturgien und stilles Zuhören zusammen mit Eltern und Katecheten.  

    b. Gemeinschaft

    • Die Eltern werden von Anfang an in die Vorbereitung ihrer Kinder einbezogen. Ihnen wird gezeigt, wie sie ihren Kindern in der Familie durch gemeinsame Mahlzeiten und Tischgebete die Erfahrung von Gemeinschaft vermitteln können.
    • Am Tag der Ersten Heiligen Kommunion kommen die Kinder gemeinsam mit ihren Familien zur Eucharistie, um den Leib des Herrn zu empfangen.
    • Der Gemeinderat heißt die neuen Mitglieder willkommen und lädt sie zur vollen Teilnahme an der Eucharistie ein.
    • Die Erwachsenen teilen innerhalb der KCG das Erlebnis der Eucharistie mit den Kindern.
    • Eltern und Kinder schmücken gemeinsam mit den normalerweise dafür Verantwortlichen die Kirche und bereiten die Liturgie vor.  

    c. Dienst

    • In einer von Teilhabe geprägten Kirche ist die Erste Heilige Kommunion mehr als eine Privatfeier zu unserem persönlichen Heil:
    • Wir sind auf die Welt gekommen, um genau das zu tun, was Jesus sein Leben lang bis zu seinem Tod am Kreuz getan hat. Wir können den Kindern lehren, herauszufinden wie sie den Auftrag Christi fortführen können.
    • Wie Jesus zu teilen bereit war, teilen auch wir, indem wir benachteilige Kinder besuchen, Spielzeug verschenken, den Hungrigen zu Essen geben, bessere Mitmenschen werden usw. Diese Aktivitäten können von der KCG oder den Sonntagsschulen organisiert werden.
     
       

      Die Schlüssel zum Erfolg  
     

     
     

    Eine neue Form der Führung

    Nichts bewegt sich, wenn in der Gemeinschaft ein dominierender Führungsstil herrscht und kein Vertrauen zur Führung besteht. Zentrales Planen von Aktivitäten, Unmut über Initiativen anderer, grundloses Ablehnen oder Genehmigen von Veranstaltungen und Aktivitäten, übermäßige Kontrolle der Finanzen – dies sind Zeichen für fehlendes Vertrauen zwischen Führung und Laien. Diese äußerst frustrierende Erfahrung lähmt die Menschen und entmutigt sie zutiefst.

    In Asien begegnen die Menschen Priestern und Ordensleuten nach wie vor sehr respektvoll. Sie helfen, wo sie können, und sind sehr großzügig, selbst wenn sie nicht vollständig mit einer Sache einverstanden sind oder wenn sie keine Erklärungen erhalten. Es lässt sich jedoch schwer abschätzen, wie lange es noch so sein wird. In einigen Vierteln, in denen der Klerus und die Laienführer gegenüber den Menschen gebieterisch auftreten, fängt es allmählich an zu bröckeln. Die Menschen fordern größere Transparenz in Finanzangelegenheiten und Gemeindediensten. Die Menschen sind begierig zu lernen und besuchen Kurse, die von der katholischen oder anderen christlichen Kirchen angeboten werden. Der Schlüssel zum neuen Weg, Kirche zu sein, sind Führer, die Christus in den Mittelpunkt stellen, die nicht dominant sind, die andere fördern und unterstützen und den Ruf nach Gemeinschaft verstanden haben. Indessen stehen die Laien dem Fortschritt oftmals selbst im Weg, weil sie aus Gewohnheit in Kirchenangelegenheiten eher hilflos sind, und sie geraten deshalb leicht an einen Führer, der sie nur bedingt mitentscheiden lässt, ohne sie tatsächlich einzubeziehen. Es ist eine schwierige Gratwanderung, andere zu führen und zu begeistern, ohne sie gleichzeitig zu dominieren.

    Das Verständnis von Gemeinschaft

    An dieser Stelle möchte ich auf die Gemeinschaftsmodelle zurückgreifen, die Parker Palmer in seinem Buch „Courage to Teach“ beschrieben hat. Er bezieht sich auf Bildungseinrichtungen und ihr Funktionieren als Gemeinschaften. Ich übertrage die Modelle auf die Pfarrgemeinde. Mit der Untersuchung dieser Modelle möchte ich hervorheben, warum KCGs oft nach kurzer Zeit scheitern oder auf der Ebene oberflächlicher Aktivitäten verharren.

    1. Therapeutisches Modell – Unter Gemeinschaft verstehen wir oftmals eine Gruppe von Menschen, die in sehr enger und vertrauter Beziehung zueinander stehen. Dieses Modell misst dem Aspekt der Intimität in menschlichen Beziehungen den höchsten Wert bei. Wir glauben, voll und ganz verstanden werden zu können und auf Anerkennung vertrauen zu können. Bei diesem Modell werden alle Beziehungen aus der Perspektive der Intimität beurteilt. Liebe und Gesellschaft sind in jeder Gemeinschaft zweifellos von entscheidender Bedeutung, allerdings wird daraus ein Problem, wenn vertrauliches Miteinander als das wichtigste Merkmal einer Gemeinschaft angesehen wird. Für die Familie mag dies gelten, nicht aber für eine Kleine Christliche Gemeinschaft, denn echte Vertrautheit kann man im Leben nur mit wenigen Menschen entwickeln. Wenn Vertrautheit zum Wesensmerkmal kleiner Gemeinschaften wird, bleiben viele Menschen lieber fern, statt sich persönlich zu engagieren. Wenn eine Gruppe schon sehr lange und vertraut miteinander umgeht, finden andere nur sehr schwer Zugang zu ihr. Die Belastung des Kennenlernens und Sich-Vertraut-Machens ist für Neueinsteiger zu groß.
    2. Bürgermodell – Bei diesem Modell arbeiten viele Menschen, die einander fremd sind, zusammen. Sie teilen Lebensraum und Ressourcen und lösen Konflikte. Sie nutzen die Mittel der Demokratie, um zu verhandeln, zu feilschen und zu einer Einigung zu gelangen. Sie arbeiten für das größtmögliche Wohl möglichst vieler Menschen. Von diesem Modell können wir viel lernen. In der Gemeinde begegnen wir uns aber nicht als Fremde, da wir zum Leib Christi gehören und als Gläubige zusammenkommen. Die Regeln der Demokratie reichen für unsere Gemeinschaften nicht aus, da unser Ziel der Konsens und das „allgemeine Wohl“ eines jeden einzelnen ist und es dabei nicht um Mehrheit gegen Minderheit geht. Mehrheitsbeschlüsse haben wenig mit der Suche nach Wahrheit zu tun.
    3. Marketingmodell – Bei diesem Modell sind Schüler und Eltern einer Schule Kunden, die zufriedengestellt werden müssen. Die Schulbehörden und Lehrer sind die Produkte, die es zu „verkaufen“ oder zu taxieren gilt. Zur Kostenrechnung und Bewertung, die die Stärke dieses Modells ausmachen, ließe sich viel sagen, aber die Bewertungskriterien können unzweckmäßig sein und das, was wir zu bewerten versuchen, ist nicht messbar. Ein anderer Aspekt bei diesem Modell ist, dass die Vermarktung einer Idee und die Verbreitung von Informationen leichter ist, wenn die Gemeinde in kleinere Zonen und Nachbarschaftsgruppen aufgeteilt ist. Viele Gemeinden nutzen die Struktur der KCGs, um den Bedürfnissen der Gemeinde gerecht zu werden. Die KCGs sind so organisiert, wie man einen Arbeitstrupp organisieren würde – für bessere Liturgiefeiern, Festtagsfeiern, den Unterhalt und die Mittelbeschaffung für Kirchengebäude usw. Mitglieder der KCGs sind dann aber nur die „Gläubigen“, die bereit sind, sich von der Gemeindeleitung einsetzen zu lassen, und die Zeit haben, an allen Gemeindeaktivitäten mitzuwirken. Viele, die für sich keinen Nutzen in den KCGs sehen, bleiben fern, denn eine Mitgliedschaft bedeutet ein großes zeitliches Engagement für Aktivitäten, die ihnen möglicherweise gar nicht liegen oder die nicht ihren Überzeugungen entsprechen.
    4. „Realität ist Gemeinschaft“-Modell – Bei diesem Modell betrachten wir unseren „Daseinsgrund“ und unsere Ursprünge und erkennen, dass wir auf Gemeinschaft ausgerichtete Wesen in einem Gemeinschaftsgebilde sind und wir uns stärker als in dieses Beziehungsgeflecht eingebunden sehen müssen. Auch die Wissenschaft hat den Schwerpunkt ihrer Forschung von Fragmentierung und Wettbewerb auf Gemeinschaft und Zusammenarbeit verlagert.  Natur ist beziehungsgebunden und es liegt an uns, die tiefere spirituelle „Communio“ zu entdecken, zu der wir als Volk auf einem gemeinsamen Weg berufen sind. Ein Gemeindepriester, der nach diesem „Realität ist Gemeinschaft“-Modell lebt, weiß, dass das Leben der ihm anvertrauten Menschen in der Trinität der Liebe verwurzelt sein wird, wenn er sie ermutigt, die Schönheit und Kraft der Gemeinschaft mehr und mehr zu entfalten. Seine Aufgabe ist es, bei den Laien das Bewusstsein zu wecken, dass sie als ein Volk zur Liebe, Barmherzigkeit und zum Dienst berufen sind. Dem stehen Individualismus und Misstrauen entgegen. Wer an Christus glaubt und sich in seinem Namen versammelt, wird einander und seinen Nächsten evangelisieren können, und dies in einer Weise, die man sich nie vorzustellen gewagt hätte. 
     
       

      Schluss  
     

     
     

    Um als Kleine Christliche Gemeinschaft bezeichnet zu werden, sollten sich die Mitglieder als eine Gemeinschaft von Gläubigen verstehen, die im Namen Christi als Nachbarn und Weggefährten zusammengeführt wurden. Sie teilen regelmäßig das Evangelium miteinander, sie erkennen, dass sie berufen sind, in besonderer Weise Zeugnis von Gemeinschaft zu geben, und schließlich, dass sie als Gemeinschaft einen Auftrag zu erfüllen haben. Ihre Führer wachsen mit den Aufgaben und mit zunehmender Bildung, neuen Herausforderungen begegnet man mit neuen Lösungen und neu belebtem Glauben. Das Ideale ist immer leicht zu formulieren, aber der Weg dorthin ist unwegsam/schwierig und nie gerade. Doch das ist noch lange kein Grund, sich nicht auf den Weg zu machen.